Im Entscheidungsschießen glänzt BSC-Torwart Sahin
Wenn ein Spieler zum „Man oft the Match“ gekürt wird, der nur wenige Minuten auf dem Feld stand, muss sich etwas Ungewöhnliches ereignet haben. So geschehen am Mittwochabend vor Himmelfahrt. Im Berliner Landespokalfinale der A-Jugend (U19) zwischen dem 1. FC Union und dem Berliner SC stand es nach regulärer Spielzeit und fünf Minuten Extrazeit 1:1. Derweil kam es kurz vor dem Abpfiff zu einer spielentscheidenden Auswechslung. Der gute BSC-Torwart Richard Radler war seinem Trainer anscheinend nicht gut genug für´s anstehende Elfmeterschießen.
Der nun folgende Aliyar Sahin muss in den Reihen seiner Kameraden wohl als Elfmeterkiller einen Ruf erlangt haben. Zweimal parierte er sicher die Schüsse der Unioner Akteure. Als dann Inem Bassey vor 1.104 zahlenden Besuchern seinen Elfmeter im zweiten Anlauf verwandelte, war die Sensation beim 5:3 (n. E) perfekt. Statt der viel höher gehandelten Stars aus dem Nachwuchs des Bundesligisten heißt der Cupgewinner 2025/26 Berliner SC, der Regionalligist.
Der diesjährige Wettbewerb wurde im Werner-Seelenbinder-Sportpark ausgetragen. Hier bot sich den Teams eine Atmosphäre, die in den vergangenen Jahren – im größeren Poststadion in Moabit – vermisst wurde. Die etwa gleich stark vertretenen Anhänger beider Mannschaften waren engagiert dabei. Als der BSC etwa fünf Minuten vor Ende die Führung durch Frank Junior Uzor erzielen konnte, schien bereits die Vorentscheidung gefallen. Doch Union kam nach einem Freistoß noch einmal zurück. Leon Prosche erzwang den Ausgleich in der 89. Minute. Weil es in diesem Wettbewerb keine Verlängerung gibt, kam es gleich anschließend zum Entscheidungsschießen – wie erwartet, auf der nicht von Zuschauern besetzten Waldseite des Platzes. Nicht zu verwechseln mit der Waldseite im Stadion an der Alten Försterei.
Der Underdog war sehr defensiv in die Begegnung gegangen, erst allmählich trauten sich die Spieler auch einmal über die Mittellinie. Das geringe Chancenplus des Favoriten deutete bereits in der torlosen ersten Halbzeit darauf hin, dass der Matchplan der Wilmersdorfer aufgehen könnte. Die Eisernen fanden auch in Hälfte zwei kaum Mittel, um Radler im Tor des BSC zu bezwingen. Ein Unioner, der einen der Elfmeter verwandeln konnte, überlegte nach der Niederlage, ob vielleicht sein Team „zu überheblich die Begegnung angegangen“ haben könnte. Vor den Augen der entscheidenden Mitarbeiter aus dem Jugendstab der Unioner kann die Niederlage durchaus als blamabel angesehen werden. Das war zu wenig für Nachwuchsspieler, die kaum einen Tag Training auslassen, auf eine Profikarriere hoffen.
Der ab der neuen Spielzeit (1. Juli 2026) bei der Union-A-Jugend tätige Jens Härtel ist als Ex-Cheftrainer bei Erzgebirge Aue, Eintracht Braunschweig, Hansa Rostock und 1. FC Magdeburg auch in Berlin beim Ex-Klub FCU bekannt. In Vertretung für die bekanntlich als Interimstrainerin in der 1. Mannschaft der Eisernen eingesetzte Marie- Louise Eta saß am Mittwochabend Daniel Schulz auf der Trainerbank. Die Sensation konnten alle nicht verhindern, denn Coach Dominik Ludwig vom Berliner SC hatte sein Team intelligent eingestellt. Aus einer meist sicheren Defensive entwickelte es nach und nach eine Gleichstellung, die beinahe schon ohne Entscheidungsschießen zum Sieg verholfen hätte. „Wir haben bereits die Teilnahme als Erfolg verbucht. Dass es zu mehr gelangt hat, ist wirklich sensationell“, sagte Ludwig – während bei Union sichtbar einige Tränen flossen. Parallel posierte der Mann des Tages Aliyar Sahin mit seiner Mutter noch für die Fotografen.
Frank Toebs

Spieldaten
1. FC Union Berlin: Welsand – Kühling, Prosche, Mewes (46. Barry), Bohn (82. Wilp) – Sliskovic, Sakoufakis, Güther (62. Blaszczak), Adesiyan (85. Bogdanov) – Gray (62. Engel), Bogdanov (71. Ali)
Berliner Sport-Club: Radler (90. Sahin)– Bouraima, Bönki, Hakim, Ludwig – Gafar, Uzor, Famson – Korbosli (63. Dedelow), Bassey, Blessing
Tore: 0:1 Uzor (85.), 1:1 Prosche (90.)
Elfmeterschießen: 2:1 Sliskovic,2:2, 2:3, 2:4, 3:4 Adesiyan, 3:5








