Altglienickes Torwart Luis Maria Zwick als Spieler des Tages ausgezeichnet
Am vom DFB initiierten Finaltag der Amateure finden in Berlin stets zwei Endspiele statt. Bevor im Olympiastadion am Abend die Fußballsaison im Wesentlichen ihren Abschluss findet, wird zuvor zu mittäglichen Stunde der Landespokalsieger ermittelt. Die Spielstätte ist seit einigen Jahren nicht weit vom Olympiastadion entfernt. Das inzwischen altehrwürdige Mommsenstadion, 1930 eingeweiht, bietet nach einigen Schönheitsreparaturen einen würdigen Rahmen, leider gibt es noch einiges zu bemängeln. Die Beschallungsanlage und der Rasen müssen dringend überholt werden.
Wenn es der DDR-Serienmeister BFC Dynamo ins Endspiel schafft, ist eine beachtliche Zuschauerzahl garantiert, verbunden mit dem Nachteil einer erhöhten Polizeipräsenz, was die Kosten für die Allgemeinheit ansteigen lässt. Die beiden Endspiele hatten eine Gemeinsamkeit. Die amtierenden Pokalsieger schafften es nicht, den Pott zu verteidigen. Unter den offiziell verkündeten 7.639 Zuschauern waren auch einige die sich als Bayern oder Fans des VfB Stuttgart zu erkennen gaben.
Es war der erste warme Sommertag in Berlin, die Temperaturen auf dem Rasen ließen eher Urlaubsgefühle aufkommen, als harten Wettkampfsport. Im Gegensatz zu dem Abendspiel, wo die Spannung lediglich bis zur Hälfte der 2. Halbzeit andauerte, bekamen die Besucher im Mommse einen Nachschlag geboten. Nach der regulären Spielzeit stand es 1:1. In der 8. Spielminute nutzte der BFC durch Ivan Knezevic einen Fehler der Altglienicker Abwehr zur Führung. Zuvor ließ die Elf aus Altglienicke zwei dicke Möglichkeiten liegen. Der BFC traf dagegen gleich mit dem ersten Torschuss. Bis zur Halbzeit stürmte nur die VSG Altglienicke, sie belohnten sich nicht. Entweder war BFC-Keeper Nicolas Ortegel auf dem Posten oder die Schüsse verfehlten ihr Ziel. In der 37. Minute war der Ball im BFC – Gehäuse, gleichzeitig ging die Fahne nach oben, leider ein Abseitstreffer. Der mehr als verdiente Ausgleich fiel in der zweiten Minute der Nachspielzeit, der bis dahin auffälligste Akteur der Altglienicker Sydney Mohamed Sylla war der Torschütze.
Die im Nachhinein wohl spielentscheidende Szene ereignete sich in der 48. Minute. Schiedsrichter Sven Schröder zeigte auf den Strafstoßpunkt. Willi Reincke war etwas zu sehr geschubst und bearbeitet worden. Leandro Putaro hatte den Ball bereits in der Hand und wollte zur Ausführung schreiten, da kam von der Bank das Zeichen zum Wechseln. Für Putaro kam Rufat Dadashov, der frisch von der Bank den Strafstoß ausführte. Halbhoch, vom Schützen rechts neben den Pfosten, der Torwart ahnte die Richtung und der Ball war abgewehrt. Eine ungewöhnliche Maßnahme, auf Nachfrage in der Pressekonferenz nach dem Spiel räumte BFC-Trainer Sven Körner ein, einen Fehler gemacht zu haben. Der BFC stellte taktisch um und kam zu weiteren Möglichkeiten. Altglienicke setzte immer wieder Nadelstiche. In der 88. Minute sah Mehmet Ibrahimi nach einem Foul die gelbe Karte, es war seine zweite im Spiel. Altglienicke spielte nur noch mit 10 Spielern und die Verlängerung stand bevor.
In der Verlängerung verschoben sich, bedingt durch den Platzverweis, die Spielanteile zum BFC. Das Tor gelang den Blauen aus dem Berliner Süden. In der 103. Spielminute beförderte der drittligaerfahrene Jonas Nietfeld den Ball ins Netz. Es war noch genug Zeit für den BFC. Die hohen Tempraturen forderten von allen Akteuren ihren Tribut und Luis Zwick im Tor der Altglienicker steigerte sich von Aktion zu Aktion, brachte die Angreifer schier zur Verzweiflung. Er hielt den Sieg fest und wurde zum Spieler des Tages gewählt. Er selbst gab zu, in der Nacht zuvor schlecht geschlafen zu haben.
Die VSG Altglienicke darf sich jetzt auf die Auslosung der erste Runde im DFB-Pokal freuen, einen Wunschgegner haben sie nicht, wie wäre es mit Union oder Hertha, ließ Dan Twarzik vernehmen. Das hätte auch den Vorteil, dass das Problem der Spielstätte gleich mit geklärt wäre.
Text und Fotos: Hans-Peter Becker
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