DEL Saison 2025/26
Playoff-Viertelfinale Spiel 6
04.04.2026 16:30 Uhr Uber-Arena Berlin
EHC Eisbären Berlin – Straubing Tigers 6:5 OT (2:1/3:2/0:2/1:0)
Serienstand (best of seven) 4:2
Können die Eisbären das Halbfinale in Spiel sechs erreichen oder kommt es zum Showdown in Niederbayern? Der erste Matchball wurde von den Eisbären vergeben. Verteidiger Jonas Müller monierte berechtigterweise, dass am Gründonnerstag zu sehr verwaltet wurde und sich dabei Unachtsamkeiten im Spiel einschlichen. Ein erzielter Treffer reichte nicht. In der Verlängerung erzwangen die Tigers eine Verlängerung der Serie.
Vor dem Spiel wurde darüber nachgedacht, wer jetzt einen kleinen psychologischen Vorteil hat. Die Gäste aus Straubing standen erneut vor dem Aus, nach dem Motto Siegen oder Fliegen. Für die Eisbären kam es darauf an, den verpassten Matchball schnell aus dem Kopf zu bekommen.
Es ging gleich „gut“ los für die Eisbären. Es war noch nicht einmal eine Minute gespielt, da kassierte Lean Bergmann eine Strafe wegen eines Check gegen Kopf und Nacken des Gegners. Daraus resultierten drei Riesengelegenheiten für die Gäste. Sie wollten den Schwung aus dem fünften Spiel nutzen. Die Eisbären kamen in dieser Phase nur zu einem einzige Torschuss, den Henrik Haukeland abwehren konnte. Sie taten sich schwer in das Spiel zu kommen. Die Führung für Straubing schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Bei den Eisbären war der Spielaufbau viel zu ungenau. Das bis zum Powerbreak torlos stand, war glücklich aus Sicht der Eisbären. Sie ließen sich das Spiel der Straubinger aufzwängen. Da bewahrheitete sich zunächst die alte Playoff-Weisheit vom letzten Sieg.
Nach zehn Minuten hatten die Eisbären eine Powerplay-Chance. Justin Scott musste für Straubing auf die Strafbank. Das Überzahlspiel ergab eine Chance bevor Scott die Strafbank verlassen konnte. Ein weiteres Powerplay verstrich wieder ohne Ergebnis. Es drängte sich bei der Betrachtung des Spiels der Eisbären der Eindruck auf, die Eisbären sind nicht oder noch nicht bereit für dieses Spiel. So kam es wie es kommen musste, Straubing ging in der 17. Minute in Führung. Es war ein Alleingang von Marcel Brandt. Nur 53 Sekunden später stand es 1:1. Der Treffer von Yannick Veilleux glich einer Kopie des Treffers zuvor. Der Stürmer konnte jeweils den Torhüter mit einer geschickten Finte ausspielen. In der Schlussminute des Anfangsdrittels gingen die Eisbären in Führung. Der Puck rutschte unter Haukeland irgendwie ins Tor. Andreas Eder war der Absender. Bis zur 17. Spielminute hätte wohl niemand in der Halle oder vor den Fernseher diesen Zwischenstand erwartet.
Der Gästeblock war erneut gut gefüllt. In der 23. Spielminute knallte Adam Smith den Puck mit gemessenen 123 km/h in die Maschen und der Zwischenstand von 3:1 kam auf den Videowürfel. Die Gäste mussten jetzt alles oder nichts spielen. In der 26. Minute saß Andy Eder auf der Strafbank und kurz vor Ablauf der Strafe knallte Nicolas Halloran den Puck aus dem Hinterhalt in das Gehäuse. In der 29. Minute wäre den Gästen fast der Ausgleich geglückt. Er fiel dann doch in 30. Minute, da rutschte der Puck nach einem Schuss von Adrian Klein ins Tor der Eisbären. Da war er verspielt, der schöne Vorsprung und die Gäste wieder oben auf. Das Ergebnis entsprach jetzt dem Spielverlauf etwas mehr. Die Eisbären waren besser im Spiel und die Gäste steckten nicht auf. Die Nerven wurden arg strapaziert. Wem jetzt der nächste Treffer gelingt, der hatte einen kleinen psychologischen Vorteil. Von der Strafbank wegbleiben und das Momentum wieder auf seine Seite ziehen. Das Spiel war in der Schlussphase des Mittelabschnitts jetzt ausgeglichen. Bedingungsloser Kampf, erst verhindert Jonas Stettmer zweimal hintereinander eine Riesenmöglichkeit für die Tigers und dann die große Ronning-Show. Er findet keine Anspielstation und haut das Ding am kurzen Pfosten an Haukeland vorbei. Der Goalie hatte ein bisschen zu viel Platz zwischen Torpfosten und seiner rechten Schulter gelassen und genau da passte der Puck durch. Eine freche Aktion, die Tigers bemühten sich um eine Antwort, wenigstens wieder der Ausgleich bis zu letzten regulären Drittelpause. Er gelang nicht, wie in der Schlussphase des ersten Drittels, erzielten die Eisbären kurz vor die Sirene einen weiteren Treffer.
In der 44. Minute vergab der frisch von der Strafbank zurückgekommene Jean-Sebastian Dea einen Matchball für dieses Spiel. Sein Schuss ging an den Pfosten. Es waren zu diesem Zeitpunkt noch 14 Minuten zu spielen, eine Ewigkeit im Eishockey. Es musste der Puck kontrolliert werden und die Uhr am Laufen gehalten werden. Das Drama konnte seinen Lauf nehmen. Wieder eine Strafzeit gegen die Eisbären, Markus Niemeläinen wegen Beinstellens auf der Strafbank und dieses Mal nutzten die Tigers ihre Chance. Tim Fleischer vollendete zum 4:5 aus Sicht der Gäste. Der knappste aller Vorsprünge jetzt hatten die Eisbären ein Powerplay und machten leider nichts daraus. Es ging mehrfach ein oooh… und achh… durch die Halle. Erst Lattenschuss für Straubing, im Gegenzug die Eisbären und knapp daneben. Drama, Drama und noch konnte die Uhr nicht viel helfen. Es ging rauf und runter. Exakt drei Minuten vor dem Ende, nach einem Iceing der Eisbären nahm Straubings Trainer eine Auszeit und zog den Goalie. Das Tor, der Treffer gelang den Tigers in der 58. Minute. Torschütze war Nicolas Halloran. Das 5:5 war gefallen. Es gab Verlängerung, der Eishockeygott wollte sie weiter kämpfen sehen.
Die Eisbären konnten die Overtime für 47 Sekunden in Überzahl beginnen. Bevor weiter gekämpft bzw. gespielt wurden konnte, mussten die Eismeister zusätzlich auf die Fläche. Daraus Kapital zu schlagen misslang. Wer hat die zusätzliche Kraft? Es waren die Eisbären. Nach zahlreichen Chancen hüben und drüben war es Markus Vikingstad mit dem entscheidenden Treffer zum Halbfinaleinzug. Der Treffer wurde glänzend vorbereitet von Lean Bergmann. Er zog mit dem Puck hinter das Tor und sah, dass sein Sturmpartner völlig frei, zentral im Slot stand. Sie hatten einen Tropfen mehr in Tank die Eisbären aus Berlin. Das Berlin-Trauma oder auch das Stettmer-Trauma (in Straubing geboren) der Tigers hält weiter an.
Eine erwartet hart umkämpfte Serie gewinnen die Eisbären. Wie so oft haben die Kleinigkeiten entschieden die Serie entschieden. Ein sichtlich und verständlich enttäuschter Straubinger Trainer Craig Woodcroft gratulierte seinem Landsmann Serge Aubin zum Seriengewinn. Seiner Mannschaft bescheinigte er ein großes Kämpferherz. Dass zweimal ein Rückstand aufgeholt werden musste, hat wohl am Schluss zu viel Kraft gekostet. Jetzt muss die Saison analysiert werden und wir müssen schauen, was verbessert werden muss.
Serge Aubin betonte nochmals, dass die Tigers es den Eisbären sehr schwer gemacht haben. Heute war es ein wackliger Start, dann hat meine Mannschaft den Weg schließlich gefunden. Den kleinen, letztlich ausschlaggebenden Unterschied gab wohl das Penalty killing. Einen Ausblick auf den kommenden Gegner im Halbfinale gab er auf Nachfrage auch. Köln hat jetzt einen herausragenden Kader und die souveränen Siege aus dem letzten Jahr zählen nichts mehr. Die Frage, ob der herausragend in der Serie agierende Goalie Jonas Stettmer auch als Starter in die Halbfinalserie geht, ließ er offen. Jake Hildebrand hat seine Verletzung überwunden und saß in Berlin bereits wieder auf der Bank.
Hans-Peter Becker
Fotos: Stephan Wenske
Spieldaten
Aufstellungen
Eisbären Berlin: Stettmer (Hildebrand; Neiße) – Müller, Wissmann (C); Mik, Lancaster; Niemeläinen, Smith; Kretzschmar – Tiffels (A), Pföderl, Ronning; Kirk, Eder, Dea; Veilleux (A), Vikingstad, Bergmann; Hördler, Wiederer, Nieleck – Trainer: Serge Aubin
Straubing Tigers: Haukeland (Bugl; Wieber) – Brandt, Zimmermann; Beaudin, Green; Klein, Merkley; Seidl – Hede, Leonhardt, Madden; Connolly, Loibl, Halloran; Varejcka, Scott, Fleischer; McKenzie, Brunnhuber, Allison –Trainer: Craig Woodcroft
Tore
0:1 – 16:19 – Brandt (McKenzie) – EQ
1:1 – 17:12 – Veilleux (Bergmann, Wissmann) – EQ
2:1 – 19:35 – Eder (Vikingstad) – EQ
3:1 – 22:05 – Smith (Ronning, Tiffels) – EQ
3:2 – 27:38 – Halloran (Merkley, Brandt) – PP1
3:3 – 29:15 – Klein (Connolly, Loibl) – EQ
4:3 – 36:19 – Ronning (Pföderl, Wissmann) – EQ
5:3 – 39:52 – Müller (Ronning) – EQ
5:4 – 48:47 – Fleischer (Hede, Merkley) – PP1
5:5 – 58:47 – Halloran (Merkley, Leonhardt) – 6-5
6:5 – 76:30 – Vikingstad (Bergmann, Smith) – EQ
Strafen
Eisbären Berlin: 6 (2, 2, 2, 0) Minuten – Straubing Tigers: 10 (6, 0, 4, 0) Minuten
Schiedsrichter
Andre Schrader, Jackson Kozari (Maksim Cepik, Tobias Schwenk)
Zuschauer
14.022
Fotogalerie von Stephan Wenske