Sechs Punkte Wochenende für den Berliner Profifußball

Volle Punktzahl für den Berliner Profifußball am vorletzten Spieltag der Saison, geht doch, wenn es um nichts mehr geht. Hertha besiegt vor der immer noch stattlichen Kulisse 44.621 Zahlenden die Spielvereinigung Greuther Fürth, trotz Unterzahl seit der 32. Spielminute mit 2:1. Der Spezialist für unbeabsichtigte glatt rote Karten Josip Brekalo bescherte seinen Mannschaftskameraden den einen oder anderen Laufweg mehr. Daumen hoch für die Moral der „Alten Dame“ im letzten Heimspiel der Saison, so darf man sich verabschieden. Vor dem Spiel wurden fünf Spieler verabschiedet, die kein neues Vertragsangebot erhalten hatten. Darunter auch Toni Leistner, der zunächst skeptisch von den Hertha-Fans beäugt, wegen seiner Vergangenheit beim 1. FC Union, nun als Gesamtberliner Idol emotional verabschiedet wurde. Er selbst wäre wohl gern geblieben. Im August wird er 36 Jahre alt, Hertha setzt mehr auf jüngere Spieler.

Der Sieg über die stark abstiegsgefährdeten Fürther ist hoffentlich ein positives Signal für die Zukunft. Am letzten Spieltag müssen die Herthaner in Bielefeld ran, die ebenfalls noch für den Klassenerhalt kämpfen. Mal sehen, was das wird. Für die nächste Saison kann ich mich nur Frank Lüdecke anschließen, „Hertha muss mehr Schalke wagen“!

Mehr wagen muss auch der 1. FC Union. Urs Fischer und seine Mainzer ermöglichten der Trainerin Marie-Louise Eta den ersten Sieg in der Bundesliga. Nennen wir ihn historisch. Neben den Fußbällen brachten die mitgereisten Ultras der Eisernen Tennisbälle ins Spiel und sorgten für eine Spielunterbrechung. Sie protestierten gegen Spielansetzungen am Sonntag und der späten Anstoßzeit 19:30 Uhr. Der Löwenanteil für die Vereinskasse wird nun einmal über die TV-Gelder eingenommen. Wer das Geld gibt, bestimmt eben welche Musik gespielt wird. Insgesamt sechsmal mussten die Eisernen in dieser Saison auswärts antreten und dabei kamen die Schlachtenbummler auf 7.000 Kilometer im Auto, Bus oder Bahn.

Wenigstens wurden die Auswärtsfahrer mit einem Sieg belohnt, das war in der laufenden Saison schließlich nicht oft der Fall. (5 Siege und 2 Unentschieden bei den 17 Auswärtsauftritten) Noch ein Spieltag, der FC Augsburg kommt in die Alte Försterei, dann regiert wieder einmal das Prinzip Hoffnung, es kann nur besser werden. Nach der Saison ist vor der Saison.

Hans-Peter Becker

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Eine Trainer-Ära geht zu Ende

Serge Aubin ist bei den Eisbären Berlin inzwischen Geschichte. Sein Amt trat 2019 an. Einen möglichen Meistertitel verhinderte die Corona-Epidemie. Die Hauptrunde schlossen die Eisbären mit 94 Punkten als Tabellenvierter ab. Das war nicht schlecht zum Einstand. Der erste Meistertitel folgte ein Jahr später. Die Epidemie hatte die DEL weiter im Griff, so wurden die Finalrunden im best-of-three Modus und als Geisterspiele ausgetragen. Mit Mundschutz saßen die akkreditierten Journalisten auf der Pressetribüne und beobachteten den ersten Titelkampf unter Serge Aubin. Es war der 7. Mai 2021, mit einem 2:1 über Wolfsburg wurde die Finalserie beendet. Sweet Caroline, ein Lieblingslied von Serge Aubin, erklang aus den Boxen und nur die Mannschaft feierte einsam auf dem Eis die Meisterschaft. Wenn ich mich recht erinnere, waren wenigstens die engsten Familienangehörigen zugelassen. 

Die Corona-Epidemie ebbte langsam ab, es durften, wenn auch anfangs reduziert, wieder Zuschauer in die Hallen. Alle Playoff Serien wurden im Modus best of five ausgetragen. Die Meisterschaft wurde am 4. Mai 2022 mit einem 5:0 Sieg in München perfekt gemacht. Dem folgte eine Seuchensaison 2022/23, die Eisbären schlossen die Hauptrunde mit 76 Punkten als Elfter der Tabelle ab. Die Playoffs wurden ohne den amtierenden Meister gespielt. Trotzdem hielt die Organisation der Eisbären am Trainer fest. Das Vertrauen wurde zurückgezahlt. Es folgte der Titel-Hattrick, vollendet am 3. Mai 2026 mit dem 4:1 Sieg in der Arena in Mannheim.

Bereits einen Tag später, brachte das Schweizer Nachrichtenportal die Meldung, Aubin werde die Eisbären verlassen. Die Bestätigung seitens der Eisbären ließ nicht lange auf sich warten. Serge Aubin wird in der kommenden Saison in der Nationalliga der Schweiz den SC Bern betreuen. Genügend Erfahrung für das Eishockey in der Schweiz bringt er, sowohl als Spieler und als Trainer mit. Es muss ihn gewurmt haben, sein Trainer Engagement in der Schweiz bei den Zürich Lions endete nach knapp 7 Monaten mit einer Entlassung aus dem Amt. Im Januar 2019 wurde er in Zürich entlassen und heuerte in Berlin an. Es war für ihn die erste Entlassung in seiner Trainerkarriere. Nach dem Rückzug der Hamburg Freezers aus der DEL unterschrieb Aubin einen Vertrag in Österreich bei den Capitals in Wien. Bereits in seiner ersten Saison holte er für den Verein den Meistertitel. 

Nun ist er wieder zurück in der Schweiz, wo er nach eigenen Angaben noch nicht fertig ist. Bereits Ende 2025 sind die Schweizer an ihn herangetreten. Von dem Wechselwunsch wussten nur Sportdirektor Stephane Richer und Geschäftsführer Thomas Bothstede. Dass kein Lichtspalt davon durchgesickert ist, spricht für die gute Organisation der Eisbären. In einer Presserunde erklärte Richer die Entscheidung. “Serge hat große Verdienste für die Eisbären, da wollten wir seinem Wunsch entsprechen. Er hat uns erklärt, dass er eine neue Herausforderung sucht.”  

Der aktuelle Meistertitel, der nunmehr insgesamt zwölfte in der DEL, darf wohl als der “Unerwartete” im Rückblick gekennzeichnet werden. Auch dazu gab es in der Journalistenrunde Äußerungen. Jede Meisterschaft war anders. Die Mannschaft hatte die Fähigkeit, sich immer wieder an ein neues System anzupassen. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Reihen in den unterschiedlichsten Besetzungen funktionieren. Aus der Not der Verletzungsmisere musste eine Tugend gemacht werden. Alle Kontrahenten in den Playoff-Spielen hatten ihre Probleme mit den Systemwechseln.

Die Eisbären suchen jetzt einen Trainer, der in diese großen Fußstapfen seines Vorgängers treten muss. Der Sportdirektor schaut sich neben dem Spielermarkt jetzt natürlich sehr intensiv den Marktplatz der Trainer an.

Hans-Peter Becker

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Fotos: © Stephan Wenske

Der aktuelle Eisbären-Kader für die Saison 2026/27:
Tor: Lennart Neiße
Abwehr: Adam Smith, Mitch Reinke, Kai Wissmann, Eric Mik, Jonas Müller, Korbinian Geibel, Markus Niemeläinen, Moritz Kretzschmar

Sturm: Ty Ronning, Lean Bergmann, Patrick Khodorenko, Manuel Wiederer, Markus Vikingstad, Yannick Veilleux, Andy Eder, Eric Hördler, Leo Pföderl, Liam Kirk, Frederik Tiffels

Stand: 08.05.2026

Füchse: Mit Leidenschaft und Nervenstärke ins Final Four gestürmt


Wenn ein rheinischer Gassenhauer zum Lieblingslied einer Berliner Mannschaft und ihres Anhangs wird, muss das einen besonderen Grund haben. Nach Abpfiff der CL-Partie gegen One Veszprem dröhnte es aus den Lautsprechern:
Da simmer dabei! Dat es prima! VIVA COLONIA! Und Mannschaft und Publikum stimmten in den Song der Kölner Kult-Band Höhner lauthals ein. Mit dem 35:33-Erfolg hatten sich die Füchse wie im Vorjahr die Teilnahme an der Endrunde der Königsklasse gesichert. Die findet am 13./14. Juni in Köln statt.

Der Deutsche Meister startete mit einem enormen Tempo in das Rückspiel gegen den ungarischen Topklub, als müsse der Ein-Tor-Rückstand sofort und nicht am En-de des Spiels aufgeholt sein. Aus sicherer Deckung, mit einem Dejan Milosaljev in Top-Form (acht der ersten 16 Gäste-Abschlüsse entschärfte er) setzten die Gastgeber Veszprem unter Druck und fanden trotz der aggressiv-beweglichen Abwehr der Gäste immer wieder Lücken zum Torwurf – 8:3/10. Zur Mitte der ersten Hälfte stellte sich Veszprem besser auf das Füchse-Spiel ein. Dennoch blieben die Gastgeber zunächst dominant – 12:8/20. Durch einige technische Fehler und eine nicht ganz gelungene Variante des 7:6-Spiels (ohne Torhüter) büßten die Berliner etwas von ihrem Vorsprung ein – 17:15/30. „Wir lagen oft in Führung, aber sie haben sich immer wie-der zurück ins Spiel gekämpft. Großer Respekt vor der Mentalität und der Moral, die Veszprém gezeigt hat“, lobte Trainer Nicolej Krickau die Leistung der Gäste, die sich bereits in der Gruppenphase mit den Füchsen duelliert hatten.

Nach dem Wechsel erhöhten die Ungarn den Druck auf die Füchse, die jedoch in einem weiterhin temporeichen Spiel dagegenhielten. Lange Zeit stand die Partie auf des Messers Schneide. Mit einigen unglücklichen Aktionen (Treffer an Pfosten) und technischen Fehlern holten die Berliner den Gegner zurück ins Spiel. Beim Stand 29:29/57 schien der Weg nach Köln verbaut. Milosavljev`s Siebenmeter-Parade zwei Minuten vor Schluss und ein Treffer in der letzten Minute sorgten für einen Ergebnis-Gleichstand nach Hin- und Rückspiel. So musste das Siebenmeter-Werfen entscheiden, bei dem der mit „Milo,Milo“-Rufen gefeierte Berliner Keeper zweimal Sieger blieb. Für die Gastgeber verwandelten zuerst Lichtlein, Freihöfer und Grøndahl, bevor Mathias Gidsel mit dem letzten Wurf Sieg und Final-Four-Einzug perfekt machte. „Veszprém ist eine unglaubliche Mannschaft, die uns jedes Mal herausfordert“, befand der Welthandballer hinterher. Beide Mannschaften hätten es verdient, nach Köln zu fahren“.

Für die Füchse erfolgreich:  Andersson (6), Grøndahl (2/2), Lichtlein (3/1), Gidsel (11/1), Freihöfer (8/7), Langhoff (1), av Teigum (2), Marsenić (2).

Am Sonntag, 10. Mai 2026 geht es für die Füchse in der Bundesliga weiter – mit dem Auswärtsspiel beim THW Kiel.

Herbert Schalling

Foto: Füchse Berlin

BBSC Berlin mit Abschied von der 2. Bundesliga Pro

BayerVolleys Leverkusen – BBSC Berlin       3:0 (12, 12, 25)

Mit einem klaren und verdienten 3:0 Erfolg verabschiedeten die BayerVolleys die Gäste aus der Hauptstadt am letzten Saisonspieltag aus der Liga Pro.

Rein vom Tabellenstand konnten sich die Berlinerinnen am letzten Spieltag nicht mehr verbessern, zu deutlich war der Rückstand auf die Konkurrenten nach den ziemlich erfolglosen Monaten September 2025 bis Januar 2026. Die Spielerfolge ab Februar kamen zu spät. Doch trotzdem standen am 1. Mai noch einmal jeweils knapp 600 km hin und zurück auf dem Plan – sicher keine leichte Motivationsaufgabe für Trainerin Katharina Kummer.

Leverkusen startete von Beginn an konzentriert und druckvoll durch und traf auf eine Berliner Mannschaft, die in Annahme, Aufschlag wie auch Angriff arge Mühen hatte, dass in den letzten Spielen gezeigte Niveau wieder zu erreichen und so dem Druck der Leverkusener zu widerstehen. Ohne die am Freitag nicht zur Verfügung stehende Annalena Grätz fehlte (wie schon in der 1. Halbserie der Saison) der Stabilitätsanker der Mannschaft, sodass die Rheinländerinnen nach Belieben dominierten. Im 1. Satz waren bereits nach dem Zwischenstand von 17:4, im 2. Satz mit 17:7 alle Messen gesungen. Leverkusens neuer Trainer Tigin Yaltinoglu, der bereits von 2018 bis 2022 Coach der Bayer-Truppe war, nutzte im 3. Satz die Gelegenheit, auch Spielerinnen außerhalb des ersten Sechsers Spielpraxis zu geben. Resultat war, dass Berlin im 3. Satz fast durchgängig führte und erst nach Rückwechsel der Stammspielerinnen erneut den Satz und somit das Match verlor.

Zur Berliner MVP wurde Hanna Lengkey gewählt.

Trainerin Katharina Kummer wurden am letzten Saisonspieltag noch einmal die Schwachpunkte des Teams der aktuellen Saison verdeutlicht. Gegen Mannschaften der vorderen Tabellenhälfte hatten die Berlinerinnen in der Saison selten die realistische Möglichkeit, dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Bei allem in die Waagschale gelegten Siegeswillen der Athleten fehlte zu häufig das entscheidende Quäntchen technische Fehlerfreiheit und damit auch ausgestrahlte Sicherheit.

Für den BBSC geht es ab September 2026 in den Hallen der 2. Bundesliga Nord weiter.

Für den BBSC am Wochenende im Einsatz: Sophia Minlend, Noelani Kleiner, Sarah Nur Kayadibi, Romy Birnbaum, Paula Reinisch, Anna-Lena Vogel, Angelina Meyer, Maja Pahlke, Hanna Christin Lengkey, Alina Gottlebe-Fröhlich, Luz Götte, Melani Ligacheva

Burkhard Kroll/BBSC

Schlusstabelle 2. Bundesliga Pro Damen

Aufsteiger: Rote Raben Vilsbiburg

Absteiger: TV Dingolfing, TV Hörde, BBSC Berlin

Eisbären holen sich die 12. Meisterschaft und brauchen einen neuen Trainer

Es gibt Titelgewinne, die entsprechen den Erwartungen und solche die überraschend kommen. Der Gewinn der Meisterschaft 2026 war den Eisbären nach der Hauptrunde nur von den kühnsten Optimisten zu getraut worden. Diese nunmehr zwölfte Meisterschaft der Eisbären darf mit dem Prädikat „unerwartet“ versehen werden. Mit einem Kantersieg gegen Dresden begann die Hauptrunde, anschließend geprägt von unsäglichem Verletzungspech. Die Leistungskurve war stark schwankend.

Foto:© Stephan Wenske

Im letzten Moment konnten die Pre-Playoffs vermieden werden. Der Auftakt im Viertelfinale, eine 1:5 Niederlage in Straubing, war alles andere als verheißungsvoll. Dann geschah ein kleines Eishockeywunder, drei Spiele in Folge wurden gewonnen, lediglich im Spiel fünf unterlagen sie in Straubing in der Verlängerung. Im sechsten Spiel wurde der Einzug ins Halbfinale erreicht, die Saison war bereits gerettet. Jetzt wartete Köln, der souveräne Sieger der Hauptrunde und die Eisbären hatten weiter Lust am Gewinnen. Die Kölner mussten den Berlinern das erste Heimrecht überlassen und die Eisbären nutzten das weidlich. Die Haie gewannen zwei ihrer Heimspiele und im dritten buchten die Eisbären das Ticket für das Finale.

Das Finale war für die Freunde des Spiels mit der schwarzen Scheibe ein Leckerbissen. Das „El Clásico“ der DEL, der Zweite der Hauptrunde, die Adler Mannheim erwartete die Eisbären aus Berlin. Beide Fanlager sind sich in herzlicher Abneigung zu getan. Bereits in der Hauptrunde hatte es mächtig geknistert. Im ersten Aufeinandertreffen, am 19.09.2026 in Mannheim, dauerte es nur 3 Sekunden, nicht Minuten und es flogen die Fäuste. Insgesamt kamen 73 Strafminuten ins Protokoll.

Die Finalrunde war hart, am Ende setzten sich die Eisbären mit 4 zu 1 Siegen durch und blieben auf dem Thron des Meisters sitzen. Dass sie die Meisterschaft in Mannheim feiern konnten, kam als kleines Schmankerl obendrauf. Mittendrin und sichtlich gerührt, der Meistertrainer Serge Aubin. Er hatte gerade die Eisbären zum 5. Titel während seiner siebenjährigen Amtszeit geführt. Was unmittelbar nach dem Spielende in der SAP-Arena zu Mannheim niemand ahnte, er stand ein letztes Mal für die Eisbären hinter Bande. Schade aus Sicht der Eisbären, der Erfolgstrainer geht auf eigenen Wunsch von Bord und wird zukünftig den SC Bern in der Schweizer Liga trainieren. Genügend Erfahrung was die Schweiz betrifft, kann er als Spieler und Trainer vorweisen und ein Gehaltssprung wird wohl zusätzlich eine Rolle gespielt haben.

Aubin, der damit als ein Trainer in die Geschichte der Eisbären eingehen wird, der keine einzige Playoff-Serie verloren und was die Anzahl der Titel betrifft, mit dem legendären Don Jackson gleichgezogen hat. Mal abwarten, ob eines Tages auch sein Banner zum Hallendach hochgezogen wird. Allein für sein Wirken in der Saison 2025/26 wäre es fast verdient.

Standen Playoff-Spiele vor der Tür, hat er es als General hinter der Bande meisterhaft verstanden, seinen Spielern die richtigen taktischen Hinweise zu geben. Das Erzielen eines Tores in einem Eishockeyspiel ist wie ein kleines Kunstwerk. Beispielgebend soll hierfür der Treffer zum 1:0 im letzten Finalspiel in Mannheim stehen. Frederik Tiffels stibitzt im Angriffsdrittel den Puck von Mannheims Verteidiger Tobias Fohrler. Jetzt müsste der Querpass auf Ty Ronning kommen, Tiffels stürzt, blitzschnell ist Ronning da, schnappt sich die Scheibe, Mathias Plachta und John Gilmour sind zu spät dran und zu guter Letzt wird noch der Goalie ausgespielt. Es gibt wahrscheinlich nur ein Spieler in der DEL, der so etwas in sekundenschnelle kann. Das Tor fiel kurz vor der ersten Drittelpause, mit besten Grüßen an die Adler. Die Hydra, eine Wortschöpfung von Basti Schwele, hatte wieder zugeschlagen. Jeder Spieler der Eisbären, egal ob Verteidiger oder Stürmer, war torgefährlich. Es waren 18 Spieler, die sich in die Liste der Torschützen eintragen konnten. Diese Tugend hatten die Eisbären in jeder Playoff-Serie exklusiv.

Es bleibt ein Rätsel für Straubing, Köln und Mannheim, wo haben die Eisbären die zusätzlichen Körner hergeholt, hatten sie sich nicht gerade mit letzter Kraft ins Viertelfinale geschleppt? In der Finalserie erzielten die Eisbären 24 Tore und das gegen die Adler Mannheim, die in der Hauptrunde die wenigsten Gegentreffer hinnehmen mussten.

Vor allem durch die Playoffs getragen hat die Mannschaft der Goalie Jonas Stettmer. Dass er die MVP Auszeichnung der Playoffs überreicht bekam, war mehr als gerechtfertigt. Er stand in 16 von den 19 Begegnungen im Tor, in den 967 Minuten wehrte er 453 Schüsse ab. Dabei strahlte er eine unglaubliche Ruhe aus, wie einst Petri Vehanen, der aktuell als Trainer der Torhüter bei den Adlern Mannheim arbeitet.

Hans-Peter Becker

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Fotonachweis: PENNY DEL/City-Press

Nichts Neues im Berliner Profifußball

Es lohnt sich wahrlich nicht, einen längeren Text über den 32. Spieltag aus Berliner Sicht zu schreiben. Schlechter Fußball, Ballbeleidigung prägte die Spiele. Alles bleibt zudem beim Alten. Der 1. FC Union holte einen Punkt und darf sich über den Klassenerhalt, nein, nicht gleich freuen, eher ein bisschen wundern. Da waren halt drei Teams noch schlechter. Der Trainerwechsel hat überhaupt nichts gebracht. Die Mannschaft hat da weiter gemacht, wo sie unter Steffen Baumgart aufgehört hat. Mit den Werten eines Absteigers wurde die Klasse gehalten.

Kurz zur Alten Dame, was war das denn? Unfassbar schwach, fahriger Spielaufbau und gute Torchancen blieben Mangelware. Das Pech schlug zu in der 61. Minute, erst köpft Luca Schuler knapp vorbei und im Gegenzug kommen die Magdeburger zu ihrem Treffer. Bereits in der 68. Minute wurde Fabian Reese ausgewechselt.

Beide Vereine müssen für die kommende Saison personell einiges verändern, auf und neben dem Rasen. Zwei Spieltage sind noch zu überstehen und dann? Wird es hoffentlich besser. Der Berliner Sport kann fast alles außer Profifußball.

Hans-Peter Becker

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Fachblatt „Fußball-Woche“ vor der Auferstehung

Spendenkampagne für den Amateurfußball in Social Media und Druck

Tino Loest ist vorsichtig optimistisch. Der ambitionierte Retter, der schon fast abgeschriebenen „Fußball-Woche“ (FuWo), will im besten Fall durch eine am 30. April 2026 angelaufene Kampagne eine Million Euro einsammeln. „Kick-off“ nannte sich das Treffen von Interessierten und Pressevertretern in der Magnet-Bar. Ein Anstoß, um die hungrige Berliner Fußball-Gemeinde wieder mit dem Lesestoff zu versorgen, der monatelang fehlte. Das Kultblatt soll ab der kommenden Saison wieder regelmäßig von den Sportplätzen der Berliner Vereine berichten. „Das mit der Summe ist aber nur eine Wunschvorstellung. Es gibt einen Mindestbetrag von 100.000, der erzielt werden sollte, damit die zeitgemäße Online-Präsenz richtig anlaufen kann“, erzählt der Mann, der nur Erster unter Gleichen sein will. Bei der von ihm und einigen anderen neuen Leuten vorgestellten Kampagne in der Fußballkneipe ist die Liebe zum Amateurfußball zu spüren. Interessierte Zuhörer sind zahlreiche frühere Mitarbeiter des Blattes, auch der letzte Herausgeber, Horst Bläsig. Kilian Depuhl bereits für die alte Fußball-Woche-App verantwortlich und Peer Hempel, ein weiterer Mahlsdorfer, sind die digitalen und grafischen Macher des neuen Erscheinungsbildes.

Tino Loest, Mitte mit Mikrophon bei der Vorstellung des Projekts

Wie und wann soll es zur Auferstehung des im Herbst 2025 in die Insolvenz abgetauchten Fußballmagazins von 1923 kommen? „Wir wollen mit dem bekannten FuWo-Sonderheft vor Beginn der neuen Saison starten. Die Inhalte, die sich für eine neue FuWo-App eignen, sollen bereits vor einer hoffentlich möglichen Druckversion eingestellt werden“, sagt Loest – Unternehmer und auch Präsident von Eintracht Mahlsdorf. Dass alles ungewöhnlich schnell gehen muss, ist den neuen Inhabern der Markenrechte bewusst. Die inhaltlichen Schwerpunkte sollen etwas anders verteilt werden. Spielberichte von Hertha und Union, die am traditionellen Erscheinungstag montags bereits zuvor überall veröffentlicht wurden, möchte Loest möglichst vermeiden. Der Fußball bei den Frauen und auch eine etwas ausführlichere Präsentation vom Jugend- und Seniorenfußball sollen mehr Leser und Leserinnen ansprechen. Im allgemeinen Layout und vor allem im Titel wird die FuWo ab demnächst auch ein verändertes Äußeres zeigen. Erkennen lässt sich das Blatt weiterhin, der grüne Schriftzug soll kürzer sein – statt „Fußball-Woche“ nur „FuWo“. Ein Trailer mit einem kauzigen Repräsentanten vor Berliner Kulisse ist bereits online. Motto: Berlin, vereint euch!

Tino Loest, links und Kilian Depuhl

Grundlage für einen erhofften Neustart ist die Spendenbereitschaft der Anhänger aus Vereinen, alter Leserschaft und auch Sponsoren aus der Wirtschaft. Die Crowdfunding-Aktion startete am Donnerstag, 30.04.2026 mit 60 Euro, bereits nach wenigen Stunden waren bereits über 10.000 im Topf – immerhin. Über die Webseite der FuWo und in der App kann sich ab sofort jeder beteiligen, um das Projekt zu beleben. „Wenn es nicht gelingt, haben wir es wenigstens versucht“, meint der ambitionierte Neustarter. Zunächst sind für einen weiteren Kick-off aber dringend Taten nötig. Viel Arbeit also für den Kaufmann Loest, der seine Menschenkenntnis früh beim Obstverkauf im Handel seines Vaters schulen konnte. Die Kampagne findet sich hier: www.startnext.com/fuwo.

Text und Fotos: © Frank Toebs

Adler Mannheim mit dem besseren Ende – Eisbären verlieren Spiel Vier

DEL Saison 2025/26

Playoff-Finale Spiel 4

30.04.2026 19:30 Uhr Uber-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Adler Mannheim 3:4 OT (0:0/2:1/1:2/0:1)

Serienstand (best of seven) 3:1

Den Titel vor Augen und mit dem Rücken zur Wand, letztes Spiel der Saison oder eine Verlängerung der Serie. Partycrasher oder Jubeltrauben, eines war sicher, kampflos werden die Adler aus Mannheim nichts hergeben. Beide kamen gleich gut in die Partie. Bereits nach drei Minuten hatten die Adler ein Powerplay. Jonas Müller der Kapitän saß wegen eines Stockschlags auf der Bank. Die Adler kamen zu zwei Möglichkeiten, dann war Müller wieder auf dem Eis. Es deutete sich bereits in dieser Anfangsphase des Spiels an, ein hartes Stück Arbeit wird zu verrichten sein. Die Eisbären hatten eine gute Gelegenheit durch Ty Ronning, die der Mannheimer Goalie Johan Christer Mattson entschärfen konnte.

Eine Strafe wegen Stockschlags erwischte auch die Adler, Lukas Käble musste in die Kühlbox. Ein Tor gelang in diesem Powerplay den Eisbären nicht. Verteiltes Spiel, als sich das erste Drittel dem Ende näherte. Wo tat sich zuerst eine Lücke auf? Es fehlte auf beiden Seiten bei den Abschlüssen an der letzten Präzision. Das torlose Ergebnis hielt bis zur ersten Drittelpause. Beide Goalies hatten einiges zu tun, der Adler Goalie hielt 11 und der Eisbären Goalie musste 8 Mal zupacken. Das 1:0 für die Eisbären fiel in der 23. Minute. Sie nutzten ein Powerplay und Lester Lancaster war der Torschütze. Jetzt mussten die Adler noch mehr investieren. Das Tempo im Spiel zog weiter an. Jeder Puckverlust wurde zum gefährlichen Konter. Dass die Arena mehr und mehr stimmungsmäßig zur Hochform auflief, war jetzt kein Wunder. In der 28. Minute stellte Liam Kirk das Ergebnis auf 2:0. Er platzierte den Puck halbhoch an der Stockhand des Goalies vorbei in die Maschen.

Ein Powerplay, ab der 31. Spielminute brachte den 1:2 Anschluss für die Adler. Nicolas Mattinen konnte eine Vorarbeit von Matthias Plachta verwerten. Jetzt stemmten sich die Adler mit Macht gegen das drohende Aus und die Eisbären versuchten schnelle Konter zu fahren. Das Spiel wogte, ohne große Unterbrechungen, hin und her. In der 36. Minute ließ Lancester eine Riesenmöglichkeit zum 3:1 aus. Ein Powerplay ließen die Eisbären ebenso ungenutzt liegen. Das Spiel blieb bis zur Schlussphase des Mittelabschnitts in einem fairen Rahmen. Es wurde Eishockey gespielt mit allen Aufregern, die im Playoff dazu gehören.

Wie lang ist der Weg bis zur Meisterschaft noch? Die letzten 20 effektiven Spielminuten begannen die Eisbären mit einer knappen Führung. Angesichts des bisherigen Spielverlaufs war eine Prognose für das Ende schwierig. Die Statistiken sprachen für die Ausgeglichenheit. Die Adler hatten mehr Anspiele gewonnen, die Eisbären etwas mehr Torschüsse. Serge Aubin wirkte etwas nervös. Zwei Minuten nach Wiederbeginn musste Leonard Pföderl wegen unkorrekter Ausrüstung auf die Strafbank, muss man das in so einem Spiel pfeiffen. Laßt es die Jungs auf dem Eis austragen. Es glich sich zum Glück aus, eine Minute später wurde Anthony Greco wegen Beinstellens auf die Strafbank geschickt. Die daraus resultierende knappe Minute Überzahl brachte nichts ein.

In der 45. Minute musste Blut vom Eis gekratzt werden. Jonas Müller bekam unglücklich den Puck ins Gesicht, er biss auf die Zähne, aktivierte alles an Adrenalin und konnte weiterspielen. Sein geschwollenes Gesicht auf dem Videowürfel sorgte für Beifall. Die Adler ließen nicht locker, das 3:1 gelang den Eisbären. In der 47. Minute versenkte Markus Vikinstad den Puck zum 3:1. Anschließend hatten die Eisbären erneut ein Powerplay, Matthias Plachta hatte das Spiel verzögert. Es waren noch etwa 10 Minuten auf der Spieluhr, da wurden bereits Hinweise zum Betreten des Eises nach dem Spiel gegeben. Zu früh, Markus Niemeläinen musste wegen eines hohen Stocks mit Verletzungsfolge für vier Minuten auf die Strafbank. Die Spannung stieg, vier Minuten, das war ein langer Weg. Die Adler schafften den Anschlusstreffer und es waren sieben Minuten regulär und die Strafzeit nicht überstanden. Jetzt kamen die Adlerfans, sie glaubten wieder an einen Sieg, es wäre der erste in der Finalserie. Die Eisbären wurden im eigenen Drittel festgeschnürt. Es waren vier Minuten bis zum regulären Ende, die Uhr lief, Belastungstest für den Kreislauf. Der Ausgleich fiel drei Minuten und eine Sekunde vor dem regulären Spielende. Das Tor wurde länger überprüft und für regelgerecht angesehen. Es stand jetzt 3 zu 3 und die Spieluhr nicht abgelaufen. Jetzt war das Momentum auf Seiten der Adler und die Eisbären wirkten etwas geschockt. Es lief die letzte Spielminute und die Eisbären bekamen den Puck nicht aus ihrem Drittel. Der Puck war in der Schlusssekunde im Tor. Es zählte nicht mehr, ab in die Verlängerung.

Zur Beruhigung der Nerven ging es in eine 15-minütige Pause. Es war Walpurgisnacht, für wen tanzen die Hexen, für wen wird es die Hölle? Die Adler hatten sich die Verlängerung erkämpft. Eisbären Goalie Stettmer hatte 37 Schüsse gehalten. So sind die Playoffs, das wollen die Fans sehen. In das Tor trafen und nur darum geht es in der Overtime, die Adler, sie konnten eine ihrer wenigen Möglichkeiten nutzen. Die besseren Chancen hatten zwar die Eisbären, zweimal sprang der Puck vom Innenpfosten nach vorn zurück. Die Adler zwingen die Eisbären in das fünfte Spiel. Der Treffer zur Entscheidung fiel erst in der zweiten Verlängerung. Luke Esposito war der Glückliche. Der begehrte Pokal wurde verpackt und steht zunächst wieder in Mannheim. Die Entscheidung wurde vertagt.

Hans-Peter Becker

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Fotos: Stephan Wenske

Spieldaten

Aufstellungen
Eisbären Berlin: Stettmer (Neiße, Brandt) – Müller (C), Reinke; Niemeläinen, Smith; Mik, Lancaster; Kretzschmar – Tiffels (A), Dea, Ronning; Noebels, Eder, Kirk; Veilleux (A), Vikingstad, Pföderl; Hördler, Wiederer, Nieleck – Trainer: Serge Aubin       

Adler Mannheim: Mattson (Franzreb; Saffran) – Kälble, Gawanke; Renouf, Mattinen; Gilmour, Fohrler; Shaw – Michaelis, Reichel; Ehl; Kühnhackl, Esposito, Plachta; Bennett, Solow, Greco; Calce, Proske – Trainer: Dallas Eakins   

Tore
1:0 – 22:09 – Lancaster (Reinke, Noebels) – PP1
2:0 – 27:26 – Kirk (Vikingstad) – EQ
2:1 – 31:46 – Mattinen (Plachta, Kühnhackl) – PP1
3:1 – 46:51 – Vikingstad (Dea, Lancaster) – EQ
3:2 – 52:49 – Solow (Plachta, Esposito) – PP1
3:3 – 56:59 – Ehl (Bennett, Solow) – EQ  
3:4 – 83:45 – Esposito (Kühnhackl, Plachta)

Strafen
Eisbären Berlin: 10 (2, 2, 6, 0, 0) Minuten – Adler Mannheim: 10 (2, 4, 4, 0,0) Minuten 

Schiedsrichter

Andris Ansons, Sean MacFarlane (Patrick Laguzov, Dominic Kontny)

Zuschauer
14.200

BR Volleys “klauen“ erstes Spiel aus Lüneburg

In der „best of five“-Serie um die Deutsche Meisterschaft 2026 ging der erste Sieg am Mittwochabend an die Berlin Recycling Volleys. Der Titelverteidiger erwischte einen Start nach Maß in die Playoff-Endspiele und setzte sich mit 3:1 (25:20, 25:19, 18:25, 25:21) gegen die SVG Lüneburg durch. Mit diesem Rückenwind schlagen die Hauptstädter um Topscorer Jake Hanes am Samstag (02. Mai um 18.00 Uhr) vor ihren Fans in der Max-Schmeling-Halle zu Spiel zwei auf.

Christof Bernier

Ernst Fuhry – Ein Leben zwischen Anpassung und Haltung

Der beinahe vergessene Trainer, Künstler und Pädagoge starb vor 50 Jahren

Ernst Fuhry

Wie wird man Fußball-Weltmeister? Ernst Fuhry hätte diese Frage vermutlich nicht direkt beantwortet, weil sie ihm zu eng gefasst gewesen wäre. Für ihn begann Erfolg nicht auf dem Spielfeld, sondern beim Menschen. Vielleicht erklärt genau das, warum sein Name heute kaum noch fällt, obwohl er den deutschen Fußball auf leise Weise geprägt hat. Geboren 1903 in Worms, wuchs er in einem Elternhaus auf, das Sicherheit schätzte. Er absolvierte eine Banklehre, entschloss sich anschließend bewusst gegen diesen Weg. Dass sich sein Todestag am 28. April 2026 zum 50. Mal jährt, ist ein Anlass, sich an diesen heute fast vergessenen Gestalter des deutschen Fußballs zu erinnern. Die künstlerische Begabung schrieb er seiner Mutter zu, die körperliche Beweglichkeit und Ausdauer seinem Vater. Sport – vor allem Leichtathletik und Schwimmen – gehörte ebenso zu seinem Leben wie das Zeichnen; in den 1920er-Jahren war er Mitbegründer des Schwimmclubs Poseidon in Worms. Der Schritt nach München zum Studium der Grafik bedeutete einen bewussten Aufbruch, der ihn schließlich nach Berlin zum DFB führte.

Dort fand Fuhry eine Aufgabe, die zu ihm passte. Als Redakteur und Gestalter prägte er Texte und Erscheinungsbild gleichermaßen, sein Entwurf des DFB-Emblems brachte eine neue, sachlichere Formensprache in den Fußball. Gleichzeitig bewegte er sich im Umfeld der katholischen Jugendbewegung „Quickborn“, deren Werte – Disziplin, Gemeinschaft und bewusster Verzicht – ihn nachhaltig beeinflussten. Als er im unseligen Jahr 1933 die Jugendgruppe der „Spartaner“ in Berlin gründete, verband sich all dies zu einer eigenen Form der Arbeit mit jungen Menschen, in der Fußball, Charakterbildung und Selbstdisziplin untrennbar zusammengehörten.

Diese Haltung fand ihren sichtbarsten Ausdruck im Lehrfilm „Fußball-Technik“, der zwischen 1935 und 1942 entstand. Der Deutsche Fußball-Bund besitzt eine Kopie in seinem Archiv. In drei Akten und mit einer Länge von rund einer Stunde zeigen 14- bis 16-jährige Spieler seiner „Spartaner“ technische Abläufe in einer Präzision, die ihrer Zeit weit voraus war. Der geplante zweite Teil mit dem Titel „Taktik“ blieb unvollendet. Dass der Film überhaupt erhalten blieb, ist einer ungewöhnlichen Entscheidung zu verdanken: Fuhry vergrub ihn in einem Garten im Berliner Bezirk Pankow, wodurch er den Krieg überstand und in den 1960er-Jahren bei Vereinsabenden wieder gezeigt werden konnte. Auch öffentlich trat Fuhry noch einmal hervor, als er 1965 in der ARD-Sendung „Hohe Schule des Fußballs“ gemeinsam mit Sepp Herberger über Spielkultur und Ausbildung sprach – es soll ein ruhiges, beinahe zeitlos wirkendes Gespräch zweier Fußballlehrer gewesen sein. Bilddokumente existieren von diesem Treffen, während man eine Aufzeichnung der Zusammenkunft in den Archiven der ARD vergeblich sucht.

Die Jahre des Nationalsozialismus lassen sich bei Fuhry nicht eindeutig fassen. Er war weit entfernt, ein Widerstandskämpfer zu sein, aber auch kein überzeugter Anhänger, kein Parteimitglied. Er schwieg, passte sich an und hielt zugleich an eigenen Formen der Jugendarbeit fest, die nicht ganz in das System passten. Auch Gerüchte über seine sexuelle Orientierung, die bereits damals von staatlicher Seite aufgegriffen wurden, blieben unbewiesen und sind für die Bewertung seines Lebenswerks wohl letztlich ohne Bedeutung. Dass im Mittelpunkt der Mensch und nicht Religionszugehörigkeit stehen sollten, zeigte sich durch Herbert Franzkowiak in Berlin. Der Junge, Mitglied bei den Fuhry-Spartanern, stammte aus einer jüdisch geprägten Familie. Derweil war wohl nur der Vater Jude, aber seine Mutter saß in einem Konzentrationslager ein. Sie überlebte. Mutter und Sohn waren nach Kriegsende „anerkannte Opfer des Faschismus“, wie aus einem Schreiben von etwa 1946 hervorgeht.

Der Krieg zerstörte große Teile seines künstlerischen und dokumentarischen Werks; beim Brand der Berliner Wohnung im November 1943 gingen alle Entwürfe und Sammlungen verloren, darunter auch das von ihm besonders geschätzte Plakat zum ersten Länderspiel Deutschland gegen England 1930. Die Brandbomben zerstörten auch die Zentrale des DFB, der sich mit der Geschäftsstelle im selben Gebäude befand.

Nach 1945 – genauer im Sommer 1946 – begann in Nordhorn an der Niederländischen Grenze ein neuer Abschnitt, mit etwas weniger Talenten als in der deutschen Hauptstadt, aber bestimmt nachhaltiger. Als Trainer von Eintracht Nordhorn arbeitete Fuhry mit jungen Spielern und überzeugte weniger durch Anweisungen als durch Haltung. Sein Schüler Rudolf Lembeck erinnerte sich später: „Er hat nichts mit Zwang beibringen wollen. Wir sind ihm nur zu gerne gefolgt, weil er alles vorgelebt hat.“

Der sportliche Erfolg stellte sich ein, doch er war für den Idealisten nie Selbstzweck. Zweimal verzichtete die Mannschaft nach errungenen Meisterschaften auf den Aufstieg in die Oberliga, bevor sie beim dritten Mal den Schritt wagte und sich dort unter anderem mit dem Hamburger SV maß. Eine höhere Spielklasse gab es damals nicht, doch wichtiger als jede Tabellenposition blieb für ihn die innere Einstellung zum Spiel und zum Leben. Seine Lehren strahlten auch bis in einen anderen Teil des Rheinlandes: Günter Hentschke – ein weiterer Berliner Fuhry-Schüler trainierte später Oberliga-Teams in Duisburg und Düsseldorf.

Privat blieb Fuhry ein zurückgezogener Mensch, der seinen Haushalt nie allein führte. In Berlin und Nordhorn unterstützte ihn die jüngste Schwester Anna, später in Worms seine Schwester Liesl. Dorthin kehrte er schließlich zurück, blieb bis ins hohe Alter künstlerisch tätig. Zu seinem 70. Geburtstag formulierte er, er habe noch „30 Jahre Arbeit vor sich“. Ganz so lange wurde es nicht, doch bis zuletzt kam die Kreativität nie zu kurz. Sein Weltfriedenssymbol mit einem Leitstern im Zentrum gehört zu den letzten Entwürfen und findet sich heute auf seinem Grab auf dem Friedhof Hochheimer Höhe in der Nibelungenstadt.

Als Ernst Fuhry 1976 beigesetzt wurde, war auch Bundestrainer Helmut Schön unter den Trauergästen – eine stille Form der Anerkennung für einen Mann, der nie den großen Auftritt suchte. Sein Nachlass, von seiner Schwester Liesl sorgfältig verwahrt, fand erst nach ihrem Tod teilweise den Weg in offizielle Archive, darunter das des DFB sowie in das Stadtarchiv Worms. Vieles war durch die Kriegsereignisse verloren, anderes blieb verstreut.
Was bleibt, ist das Bild eines Mannes, der den Fußball nicht als Spektakel verstand, sondern als Lebensschule. Kein Held im klassischen Sinne, sondern ein leiser Gestalter – und gerade darin seiner Zeit voraus. Ein typisches Fuhry-Zitat: „Man kann nicht immer das Glück haben, Erster zu werden, doch hinter sich selbst darf man nicht zurückbleiben.“

Frank Toebs

Fotos: © Frank Toebs