Eisbären holen sich zweiten Sieg in der Halbfinalserie

DEL Saison 2025/26

Playoff-Halbfinale Spiel 3

12.04.2026 14:00 Uhr Uber-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Kölner Haie 4:2 (0:0/1:0/3:2)

Serienstand (best of seven) 2:1

In Köln, im zweiten Spiel der Halbfinalserie, zeigten die Eisbären nur im ersten Spieldrittel, dass sie durchaus mithalten können. Im Mittelabschnitt übernahmen die Haie das Kommando und den Eisbären gelang es nicht mehr, ins Spiel zurückzufinden. Hatte in Spiel 1 in Berlin der Kölner Goalie einen schlechten Tag, so erwischte es in Spiel 2 den Torhüter der Eisbären. Jake Hildebrand brachte das Spiel zu Ende. Aus der „best of seven“ ist jetzt eine „best of five“ Serie geworden. Fehlen wird bei den Eisbären Yannick Veilleux, der Rüpel vom Dienst hatte in Köln mal wieder zugeschlagen und streckte einen Gegenspieler mit einem Stockcheck nieder. Ein zuvor verübter Stockschlag wurde übersehen. Trotzdem war die Reaktion von Veilleux überzogen und die von der DEL verhängte Strafe von zwei Spielen verbunden mit einer Geldbuße verständlich.

Der Wunsch der Fans der Eisbären wurde mit einem Banner vor der Hartmut Nickel Kurve zum Ausdruck gebracht. Der König verlangt nach Wiederholung, aber davor steht mit den Kölner Haien ein starker Gegner. In der Aufstellung gab es zwei Veränderungen. Im Tor begann Jake Hildebrand und in der Verteidigung war Mitchell Reinke nach längerer Verletzungspause wieder mit dabei. Dafür war Markus Niemeläinen nicht dabei.

Die Anfangsphase gehörte, wie zuletzt in Köln, den Eisbären. Die Kölner setzten einige gefährliche Konter dagegen, während die Eisbären Chancenwucher betrieben. Janne Juvonen, der Kölner Goalie, brauchte nicht lange, um warmzuwerden. Das aktivere Team bis in die Schlussphase des Anfangsdrittels hinein waren die Hausherren der Uber Arena. Ein Stockschlag von Manuel Wiederer drei Minuten vor dem Ende des Anfangsdrittels sorgte für das erste Powerplay im Spiel, das die Eisbären schadlos überstanden.

Die statistischen Werte des ersten Drittels sprachen für die Eisbären, 14 zu 4 Torschüsse. Die Kölner dagegen traten etwas abwartender auf, oder wurden sie dazu von den Eisbären gezwungen, wann macht ein Eisbär einen entscheidenden Fehler? Ein Powerplay in der 23. Minute brachte die Eisbären mit 1:0 in Front. Leonard Pföderl feuerte mit 160 Kilometer pro Stunde den Puck auf die kurze Torwartecke. Da gab es wirklich nichts zu halten für Juvonen. Unmittelbar nach dem Treffer hatten die Eisbären erneut eine Chance mit einem Spieler mehr, dieses Mal gelang kein Tor. Die Eisbären versuchten, dass Momentum auf ihrer Seite zu behalten. Sie hatten zwei Riesenchancen das Ergebnis höher zu stellen, so blieb es bei knapp der Hälfte der Spielzeit bei der Führung. Das war eine sehr gute Leistung der Eisbären bis zur 30. Minute. Sie hätte nur höher führen können, ja müssen. Köln lauerte weiter nur auf die Fehler und musste dem Dauerdruck der Eisbären standhalten. Es gab nur einen einzigen Fakt zu kritisieren, sieben Minuten vor dem Ende des Mitteldrittels hatte sich am Spielstand nichts geändert. Die Haie schienen daraus etwas mehr Mut zum Angriff zu schöpfen. So richtig gute Gelegenheiten ergaben sich nicht. Trotzdem blieb die Situation gefährlich für die Eisbären. Das Drittelende wurde turbulent. Ein Stockschlag eines Kölners wurde übersehen und Juvonen hielt einfach jeden Schuss. In der Schlussminute wurde ein Kniecheck von Juhani Tyrväinen per Video überprüft, es blieb bei den zwei Minuten. Am Ergebnis änderte sich im Mittelabschnitt nichts.

In der letzten Drittelpause liefen über den Videowürfel nochmals die besten Chancen der Eisbären, 40 zu 10 Torschüsse und nur eine 1:0 Führung, unglaublich.

Die Haie kamen bereits zwei Minuten vor dem Drittelbeginn auf das Eis und mussten gellende Pfiffe der Eisbärenfans ertragen. Der Start in das Schlussdrittel erfolgte für die Eisbären in Überzahl. Die Strafzeit war gerade abgelaufen, da knallte Jonas Müller den Puck, endlich muss hier eingefügt werden, ins Tor. Diese Führung, nicht mehr ganz so knapp, war sowas von gerecht. Was hatten die Kölner jetzt noch im Tank?

Die Eisbären konnten zunächst den Weg für die Haie verlängern. In der 46. Minute zimmerte Lester Lancaster, in diesem Spiel als Verteidiger aufgeboten, den Puck in den Kasten. Hoch angesetzt war der Schuss und schlug über der Schulter von Juvonen ein. Anschließend musste Markus Vikinstad, er hatte zum Treffer für das 3:0 die Vorlage gegeben, wegen eines Haltens auf die Bank. Diese Strafzeit überstanden die Eisbären. Fast wäre in Unterzahl Liam Kirk ein weiterer Treffer geglückt, ja wenn das Wörtchen fast nicht wär?

In der 53. Minute verkürzte Dominik Bokk auf 1:3 für die Haie. Ein Treffer im Nachstochern, den Puck nicht gut geklärt und irgendwie fiel er rein. Kölns Trainer ging bereits 4,5 Minuten vor dem Ende all in und es funktionierte. Sofort fiel der Anschlusstreffer zum 2:3. Das Tor datierte aus der 53. Minute. Playoffs sind nichts für schwache Nerven, es war brutal für die Eisbären. Plötzlich schwammen die Haie nicht mehr mit dem Bauch nach oben. Doch Leo Pföderl fand eine Antwort und traf aus der neutralen Zone ins leere Tor. Die Vorlage gab Marcel Noebels. Es gibt sie doch die Playoff-Monster, heute trug es das Eisbärentrikot mit der Nummer 93.

Hans-Peter Becker

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Fotos:© Stephan Wenske

Spieldaten

Aufstellungen
Eisbären Berlin: Hildebrand (Stettmer; Neiße) – J. Müller, Wissmann (C); Mik, Lancaster; Smith, Reinke; Kretzschmar – Tiffels (A), Dea, Ronning; Noebels, Eder, Kirk; Bergmann, Vikingstad, Pföderl; Hördler, Wiederer, Nieleck – Trainer: Serge Aubin

Kölner Haie: Juvonen (Brückmann; Ancicka) – Austin, Kaski; Vittasmäki, Kemiläinen; Sennhenn, M. Müller; Glötzl – Storm, Aubry, Bokk; Kammerer, Tyrväinen, Niedenz; Kero, MacLeod, Russell; Tuomie, van Calster, Uher – Trainer: Kari Jalonen

Tore
1:0 – 22:04 – Pföderl (Reinke, Ronning) – PP1
2:0 – 41:20 – J. Müller (Noebels, Wissmann) – EQ
3:0 – 45:03 – Lancaster (Dea) – EQ
3:1 – 52:54 – Bokk (Sennhenn, Kero) – EQ
3:2 – 55:30 – Kaski (Kemiläinen, Tyrväinen) – 6-5
4:2 – 57:56 – Pföderl (Noebels) – EN

Strafen
Eisbären Berlin: 8 (4, 0, 4) Minuten – Kölner Haie: 10 (2, 6, 2) Minuten 

Schiedsrichter
Martin Frano, Ghislain Hebert (Maksim Cepik, Tobias Schwenk)

Zuschauer
14.200

Zweimal nüscht und Union feuert den Trainer

Berliner Profifußball im Überblick

Bei frühlingshaftem Wetter hatten über 50.000 Zuschauer den Weg ins Olympiastadion gefunden, ein Traditionsduell stand an, Hertha BSC empfing den FC Kaiserslautern. Beide Mannschaften sind Tabellennachbarn im eigentlich nicht so richtig vorhandenen Mittelfeld der 2. Bundesliga. Mit 47 Punkten nahm Hertha den Kampf auf und verharrt nach den 90 plus Spielminuten weiter auf diesem Stand. Eine unglückliche Niederlage, eine Menge Pech, hier und da gewürzt mit einer Prise Unvermögen, die Gäste aus der Pfalz nahmen alle Punkte mit. Held des Tages war Julian Krahl, gebürtig in Forst, im Land Brandenburg, spielte einst für Viktoria Berlin in der 3. Liga, er brachte Herthas Stürmer zur Verzweiflung. Bei ihm war Endstation. Hertha kam auf 19 Torschüsse und führte die Spielstatistik an. Nur zählt die B-Note gar nichts im Fußball. Das Ding muss rein und das schafften nur die Roten Teufel, nach einem Eckball, gleich nach Wiederbeginn der zweiten Spielhälfte. Ein unglücklich geklärter Ball und schon war’s passiert.

Die Hoffnungen auf einen der begehrten drei ersten Tabellenplätzen sind auf ein maximales Minimum geschrumpft. Vergeigt wurden sie aber nicht an diesem 29. Spieltag, das ist bereits vorher geschehen. Einfach weitermachen, die gezeigte Leistung kann in der B-Note noch halbwegs positiv bewertet werden. In Anbetracht von lediglich nur noch fünf ausstehenden Spielen und der fast zugeschlagenen Tür zum Aufstieg darf bereits über den kommenden Kader in der 2. Liga nachgedacht werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass mal wieder von vorn angefangen werden muss. Wie bekommt man erneut einen Kader zusammengestellt, der nicht nur oben, sondern ganz oben mitspielen kann? Hertha muss Auflagen zur Lizenzerteilung erfüllen, Schuldenabbau und Transferüberschüsse erwirtschaften. Welche Leistungsträger können gehalten werden? Da stehen große Fragezeichen über dem Olympiastadion.

Die Zuschauer kommen, es wird zum Teil attraktiver Fußball geboten, es drücken die Schulden und Sünden der Vergangenheit, verdüstern die Zukunft. Ein Aufstieg könnte helfen, die Probleme kleiner werden zu lassen. Angesichts der Ausgangslage erscheint die Aufgabe für eine kommende, höchstwahrscheinlich, weitere Zweitliga-Saison wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises. 

Nach der “Alten Dame” mussten, eine Klasse höher, die Eisernen beim bereits vorgefertigten Absteiger 1. FC Heidenheim ran. Das Spiel in der Voith-Arena kam dem Niveau der 2. Liga bedenklich nahe. Es läuft einfach nicht so richtig in dieser Spielzeit beim 1. FC Union. Ein bisschen was hatten sie sich schon ausgerechnet, völlig punktlos wollten sie nicht nach Köpenick zurückkehren. Dafür reicht ein Blick in das Restprogramm. Es stehen noch fünf Spiele aus. Am 30. Spieltag, 18.04.2026 kommt der VfL Wolfsburg in die Alte Försterei und dann wartet RB Leipzig. Für Wolfsburg die vielleicht letzte Chance, den direkten Abstieg zu vermeiden. Union hat erst die Hafeneinfahrt erreicht, ganz angelegt haben sie noch nicht. 

Die Eisernen gestatteten den Heidenheimern nach 15 sieglosen Spielen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis. Ein verdientes 3:1 stand als Endergebnis fest. Die Baumgart-Elf agierte pomadig und war für die Verteidigung der Hausherren leicht auszurechnen. Gegen die Mannschaft mit dem aktuell schlechtesten Torverhältnis (-36) gelang den Eisernen nur ein einziges Tor. Bemerkenswert war die Einwechslung des erst 16-jährigen Linus Güther. Für sieben Minuten durfte Bundesligaluft schnuppern. Kaum auf dem Platz kassierte er gleich eine gelbe Karte. Der Rest ist schweigen, frei nach Shakespeare.

 Bis hierin war das der fertige Text bis Samstagabend. Kurz vor Mitternacht, 23:46 Uhr verschickte der 1. FC Union eine Pressemeldung. Das ungeschriebene Gesetz der Branche trat in Kraft, bei anhaltender Erfolglosigkeit feuere den Trainer. Mit dem üblichen Bla-Bla wurde die Begründung geliefert.

„Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden: Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern. Zwei Siege aus vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr in der bisherigen Konstellation noch gelingt. Wir haben daher entschieden, jetzt noch einmal neu anzusetzen. Ich freue mich, dass Marie Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen, bevor sie im Sommer wie geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen wird“, erklärt Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball Männer des 1. FC Union Berlin. „Steffen Baumgart, Danilo de Souza und Kevin McKenna gilt unser Dank für die geleistete Arbeit, der wir den sicheren Klassenerhalt in der Vorsaison und eine gute Punktausbeute in der Hinrunde verdanken. Wir wünschen ihnen beruflich und privat alles Gute.“ 

Zitiert wird hier Horst Heldt, er ist an der Situation nicht ganz unschuldig.  

Hans-Peter Becker

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Keine Aufstiegsmannschaft

2. Fußball-Bundesliga

29. Spieltag: Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern 0:1

Hertha hatte dem Spielverlauf nach eine gute Mannschaft, aber keine Aufstiegsmannschaft. Das Heimspiel hätte der Tabellenkonstellation und den Torchancen nach schon gewonnen werden müssen. Bei aller lobenswerten Aufholjagd muss der Situation Rechnung getragen werden, dass der Hauptstadtclub fünf Spiele vor Ultimo in ganz anderer Tabellenposition hätte auftrumpfen können, wären erstens nicht so viele Heimspiele vergeigt worden und zweitens, Siege, so viele, in der Endphase, trotz Führung nicht so oft zwei Punkten verschenkt worden. Das darf bei stets verkündetem Aufstiegswillen vielleicht einmal passieren, aber nicht in der Folge wie in dieser Saison leider geboten. So eben auch wieder zu Hause gegen Kaiserslautern. Da waren es sogar wieder drei Punkte, die verloren gingen. Es bleibt also, fünf Spiele vor Saisonende, bei 47 Punkten. Kaiserslautern rückt sogar bis auf einen Zähler an Hertha heran.

Aus Zuschauersicht führen wir diesmal nicht detailliert das fehlerhafte Zustandekommen auf, sondern die Vielzahl der negativen Ergebnisse. Wiederholt wurde die fehlende Konstanz bemängelt. „Ob Hertha vielleicht doch daraus lernt(?)“, wurde uns von Anhängern geschrieben, wenn aus Sicht der Zuschauer, den bewundernswerten Fans, Tränen in den Augen standen, weil Spiele nicht erfolgreich über die Zeit gebracht werden konnten. Das hatte dann mitunter Fragen zur Einstellung und Taktik zur Folge. Von Kritik an der Vereinsführung ganz zu schweigen, was erfahrungsgemäß im Erfolg nicht so aufgetischt wird. Da lasen wir doch vor Saisonbeginn: „Hertha ist zum Aufstieg verdammt!“ Das lassen wir heute mal so stehen. In der Bundesliga benötigen die Teilnehmer auch Interessenten, die bei Niederlagen nicht weinen. Vielleicht nicht einmal regelmäßig die Spiele verfolgen. Deshalb sei heute auch einmal besonders an diese gedacht. Mitunter schaffen es nicht alle, pünktlich zu Spielbeginn den Fernseher anzumachen.

Ein paar Tipps: Mit den Aussagen der Reporter muss keine Übereinstimmung bestehen, nicht etwa sich mit ihnen identifizieren! Ich habe mir abgewöhnt, mich nicht mehr zu ärgern, wenn der Berichterstatter, vielleicht zu Beginn, den Spielernamen einmal in einer riskanten Aktion genannt hat – wer kennt schon alle Spieler (?). Wenn ich ihn dann gern vernommen und bestätigt hätte, fehlte er. Schraubt die Objektivität auch nicht zu hoch… Der Spielverlauf kann einen auf die Palme bringen. Vor allem, wenn der Treffer in der Nachspielzeit, entweder vor dem Seitenwechsel oder noch ärgerlicher, wenn es am Ende des Spiels geschieht.

Mit 0:0 verabschiedete sich Hertha diesmal beim Pausenpfiff in die Kabine. Dafür erzielte Kaiserslautern unmittelbar nach Wiederbeginn das Siegtor. Die Mannschaftsaufstellungen geben häufig Diskussionsstoff. Da ist es ratsam, sich Ärger vom Leibe zu halten. Warum? Wer beim Abschlusstraining nämlich nicht dabei ist, hat absolut keine Chance, Einfluss zu nehmen. Mitunter kann er deshalb viele Dinge nicht wissen. Man gebe am besten dem Trainer die Chance, ein glückliches Händchen zu haben. Selbst dann, wenn ein Lieblingsspieler zunächst erst auf der Bank Platz nehmen muss. Was eventuell lautstark zu beeinflussen ist, sind mit Rufen und Pfiffen geforderte Wechsel. Da staunt man oft über die Kenntnis des Anhangs. Na ja und wie eine Mannschaft kämpferisch zu Werke geht, das ist offenkundig.

Christian Zschiedrich

Trainerentlassung und eine deftige Niederlage

Hertha 03 taumelt dem Abstieg in der Regionalliga Nordost entgegen

Im fünften Anlauf gab’s endlich grünes Licht: Die junge Regionalliga-Truppe des FC Hertha 03 konnte gegen den Konkurrenten aus der Regionalliga Nordost antreten. Das Spiel gegen BSG Chemie Leipzig – wie der Tabellenletzte aus der Hauptstadt stark abstiegsgefährdet – war zuvor wegen tatsächlicher oder scheinbarer Unbespielbarkeit des Platzes mehrmals abgesagt worden.

ES war erst die zweite Partie mit gefülltem Gästeblock auf dem heimischen Ernst-Reuter-Sportplatz. Sie versprach am Dienstag einiges. Schließlich hatte die „kleine“ Hertha noch weitere Nachholpartien zu absolvieren. Eine Resthoffnung den niedrigen Punktestand durch weitere Dreier auffüllen zu können war durchaus realistisch.

Am Spieltag waren die Verantwortung und die Last punkten zu müssen für die junge Zehlendorfer Truppe zu viel. Der Tag begann mit einem Eklat: Zehlendorfs Trainer Tilman Käpnick muss sich irgendeinen Ausrutscher geleistet haben. Schiedsrichter Henry Müller hatte wohl gehört, dass Offizielle von unangemessenem Auftreten gesprochen hatten. Was immer das heißen mag, Käpnick war kurz vor Beginn seinen Posten los. Offizieller Interimstrainer war Rainer Meitzner, derweil Marco Böning und Niko Klarkowski an der Linie coachten.

Der Rest ist aus Sicht der Heimmannschaft ein Trauerspiel. Die Partie vor etwa 1.300 Zuschauern (davon mehr als 600 aus der sächsischen Metropole) ging mit 0:5 verloren. In über 90 Minuten gelang es den Spielern des überforderten Schlusslichtes ganze fünfmal das Tor anzupeilen. Als dann noch Torwart Alexios Dedidis außerhalb des Strafraumes durch Handspiel eine Torchance (53.) vereitelte, war beim Stand von 0:3 jede Hoffnung verflogen. Zwar ist und bleibt wohl die „kleine“ Hertha ein guter Ausbildungsverein, der nun anstehende Abstieg in die Oberliga bedeutet aber auch einen massiven Schritt zurück. Es sei denn, es geschieht noch ein Wunder am Siebenendenweg.

Die Leipziger haben sich auf jeden Fall gut für die anstehende Partie gegen den Stadtrivalen Lok eingeschossen. Gegen die hatten die Zehlendorfer auswärts auch überraschend (2:0) bestanden. Eigentlich hätte das ein gutes Omen für die Partie gegen Chemie sein sollen. Die Trainerentlassung zum ungünstigsten Zeitpunkt war aber kein guter Start in den Tag.

Frank Toebs

Text und Fotos: Frank Toebs

Eisbären starten mit einem Sieg in das Halbfinale – zwei Tore von Moritz Kretzschmar

DEL Saison 2025/26

Playoff-Halbfinale Spiel 1

08.04.2026 19:00 Uhr Uber-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Kölner Haie 6:3 (2:1/3:1/1:1)

Serienstand (best of seven) 1:0

Aus der Sicht der Eisbären geht die aktuelle Saison nach einigem Auf und Ab mit dem Erreichen des Halbfinales bereits jetzt in versöhnlichen Bahnen zu Ende. Der größere Druck dürfte bei den Kölner Haien liegen. Für den souveränen Sieger der Hauptrunde soll der Meistertitel noch folgen. Der Meistertitel konnte in der Domstadt zuletzt am 21. April 2002 gefeiert werden. Nun, das ist fast ein Vierteljahrhundert her, die angesetzte Patina soll endlich abgeschrubbt werden. Im vergangenen Jahr scheiterten sie am aktuellen Halbfinalgegner,

Wie bereits im Viertelfinale, die Eisbären sind nicht der Favorit. Wir haben Respekt, aber keine Angst vor den Haien, so äußerte sich Eisbären-Stürmer Lean Bergman. Die Hauptrundenbilanz sieht gar nicht so schlecht aus, das alles zählt nicht mehr und ebenso die Geschichte der letztjährigen Finalserie. Aufgrund der Hallenbelegung in Köln starten die Eisbären mit einem Heimspiel in die Serie. Die Eisbären wollen alles daran setzen, mit einem Sieg zu starten und stellen sich auf eine lange Serie ein.

Das Spiel am Mittwochabend war nicht ganz ausverkauft, dazu der Spielbeginn um 19:00 Uhr, die Hartmut-Nickel-Kurve zeigte ein Transparent „gefühlter Spielbeginn 19:30“. Jedenfalls wurde in den ersten zehn Minuten eine Menge geboten. Es fielen drei Tore. Die Eisbären führten nach sieben Minuten mit 2:0 durch Treffer von Adam Smith und Moritz Kretschmar, der sein erstes Tor in der DEL erzielen konnte. Sie mussten sich kräftig schütteln die Gäste aus Köln, konnten dann in der neunten Minute ein Powerplay für den Anschlusstreffer nutzen. Mit dieser kleinen Verzögerung waren die Haie nun vollständig im Spiel angekommen. Beide Goalies hatten einiges zu tun. Beide schlugen ein hohes Tempo an. Die knappe Führung konnten die Eisbären mit in die erste Drittelpause nehmen.

Mit Beginn des Mittelabschnitts drückten die Haie vehement auf den Ausgleich. Die Eisbären wurden zunächst in ihrem Verteidigungsdrittel förmlich eingeschnürt. Es folgte der Doppelschlag der Eisbären, der sich nicht unbedingt angedeutet hatte. Erst traf Marcel Noebels und nicht einmal eine Minute später zimmerte Jonas Müller die Scheibe in das Gehäuse. Ein erstaunlicher Zwischenstand nach knapp der Hälfte der regulären Spielzeit. Allerdings musste Jonas Stettmer anschließend zwei Großtaten vollbringen, um den Zwischenstand zu halten. Köln hatte ab der 31. Minute zwei Powerplay Gelegenheiten. Die erste brachte nichts Zählbares und im zweiten Powerplay schwächten sie sich, in dem sie selbst eine Strafe kassierten. Ein Konter bescherte den Gästen einen short hander, bei eigener Unterzahl traf Patrick Russel zum 2:4 Anschluss. Dieser Zwischenstand resultierte aus der 34. Minute und passte zu diesem Spiel. In der 36. Minute setzte erneut Kretzschmar den Puck in das Tor. Das war fast nicht zu glauben fünf Tore für die Eisbären und vier davon erzielten Verteidiger. Die Eisbären nahmen den Vorsprung mit in die letzte reguläre Drittelpause.

Mit Beginn des letzten regulären Drittels entschloss sich Kölns Trainer Kari Jalonen seinen Torhüter zu wechseln. Für Janne Juvonen stand Felix Brückmann zwischen den Pfosten. Einen neuen Reiz setzen, möglichst früh im Drittel den Anschlusstreffer erzielen, nur so konnte noch was gehen für die Haie. In der 44. Minute musste Andreas Eder wegen einer Spielverzögerung auf die Strafbank. Diese Überzahl konnten die Gäste nicht nutzen. Die Kölner steckten nicht auf, die Eisbären blieben gefährlich bei ihren Kontern. Die Eisbären schafften es, den kostbaren Vorsprung bis in die Schlussphase zu halten. Knapp sechs Minuten vor dem regulären Spielende nahmen die Haie ihren Goalie vom Eis. Jetzt wurden die Eisbären in ihrem Drittel mehr oder minder eingeschnürt. Sie versuchten es mit sechs Feldspielern. Jetzt wurde jede Sekunde wertvoll. Die Erlösung kam durch Lester Lancaster, der den Puck in das leere Tor beförderte. Ein Erfolgserlebnis bescherten sich die Haie anschließend, Gregor MacLeod konnte Stettmer überwinden und stellte den Endstand von 6:3 her. Das Spiel verfolgten 13.822 live in der Uber-Arena. Sie machen torreich in den Playoffs die Eisbären. Mit ausschlaggebend war erneut die Leistung von Jonas Stettmer, der die Kölner Stürmer verzweifeln ließ.

Hans-Peter Becker

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Fotos: Stephan Wenske

Spieldaten

Aufstellungen
Eisbären Berlin: Stettmer (Hildebrand; Neiße) – J. Müller, Wissmann (C); Mik, Niemeläinen; Kretzschmar, Smith; Nieleck – Tiffels (A), Pföderl, Ronning; Noebels, Eder, Kirk; Veilleux (A), Vikingstad, Bergmann; Hördler, Wiederer, Lancaster – Trainer: Serge Aubin       

Kölner Haie: Juvonen (ab 41. Spielminute: Brückmann; Ancicka) – Austin, Kaski; Vittasmäki, Kemiläinen; Sennhenn, M. Müller; Glötzl – Kero, MacLeod, Russell; Storm, Aubry, Bokk; Kammerer, Tyrväinen, Niedenz; Tuomie, van Calster, Uher – Trainer: Kari Jalonen

Tore
1:0 – 04:14 – Smith (Tiffels, J. Müller) – 4-4
2:0 – 06:20 – Kretzschmar (Smith, Tiffels) – EQ
2:1 – 08:52 – Kemiläinen (Aubry, MacLeod) – PP1
3:1 – 23:42 – Noebels (Eder, Kirk) – EQ
4:1 – 24:48 – J. Müller (Tiffels, Ronning) – EQ
4:2 – 33:30 – Russell (Tyrväinen, Russell) – SH1
5:2 – 35:22 – Kretzschmar (Kirk) – EQ
6:2 – 57:22 – Lancaster (Kirk, Smith) – EN
6:3 – 58:07 – MacLeod (van Calster, Austin) – EQ

Strafen
Eisbären Berlin: 10 (4, 4, 2) Minuten – Kölner Haie: 6 (4, 2, 0) Minuten 

Schiedsrichter

Sean MacFarlane, Jackson Kozari (Maksim Cepik, Tobias Schwenk)

Zuschauer
13.822

Punkte im Osternest für den Berliner Profifußball

Na prima, wenigstens hat Oliver Jasen Burke einen Saisonrekord als schnellster Spieler der Bundesliga aufgestellt. Er wurde bei einem Sprint des Schotten 37 km/h gemessen. Was nützt das, schneller als der Ball zu sein, seine Torgefährlichkeit hielt sich bisher sehr in Grenzen. Seine Bilanz sind 23 Einsätze, wobei er lediglich nur bei einem Spiel die volle Dauer absolvieren durfte. Es fragt sich zu Recht, wo sind seine Tore, ganze vier stehen waren es bislang, versteckt. Das eine oder andere Tor mehr hatten sich Fans und die Verantwortlichen der Eisernen schon versprochen. Gegen St. Pauli traf Andrej Ilic und sie ahnen es, Burke hatte beim Schlusspfiff bereits wieder die Trainingsjacke an. In einem kampfbetonten Spiel rannten die Eisernen seit der 25. Minute einem Rückstand hinterher. Der Ausgleich fiel dann in der 52. Minute. Ansonsten blieb es beim Bemühen nach einem weiteren Erfolgserlebnis. Die Punkteteilung am Ostersonntag nützt eher dem 1. FC Union, St. Pauli verharrt weiter auf dem Relegationsplatz.

Tags zuvor, am 4.4.2026 musste die „Alte Dame“ in Dresden ran. Leider geriet das Spielgeschehen, auch in Nachbetrachtung, in den Hintergrund. Der Fußball gehört den Fans, Unterstützung von den Tribünen und bitte keine blödsinnigen Aktionen von Ultras, Hools oder wem auch immer. Es ist völlig egal, wer angefangen hat, wer wem eine Fahne geklaut hat und so weiter. Solche Szenen wie in Dresden will niemand sehen. Die wohl jetzt fälligen Strafgelder könnten die betroffenen Vereine sicher besser verwenden.

Fußball wurde glücklicherweise auch gespielt und der Fußballgott bestrafte Dynamo umgehend für das Verhalten einiger Stadionbesucher, die schwarz-gelb unterstützen. Erst wurde ein Elfer verschossen und dann in Überzahl verloren. Ein schräges Ding, abgefälscht, Hinterkopftreffer, der Ball fiel ins Tor und Hertha verließ nach einigen turbulenten Szenen den Platz als Sieger. Dresden konnte sich im Abstiegskampf keine Luft verschaffen und Hertha hält wieder eine Meldekarte für den Aufstiegskampf hoch.

Hans-Peter Becker

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Derby ohne Derby-Charakter

Füchse fegen Leipzig aus der Halle – 39:26

Nach 45 Minuten hatten Matthias Gidsel, Lasse Andersson und Max Darj reichlich Zeit, das Spielgeschehen zu analysieren. Der Füchse-Kapitän und die beiden dänischen Weltmeister saßen zu diesem Zeitpunkt gemeinsam auf der Auswechselbank. Ein ungewohntes Bild. Flankiert von Tim Freihöfer und Hakun West av Teigun. Diese Ansammlung von Stammspielern der Ruhezone hatte einen einfachen Grund. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden – bei einem Zwischenstand von 34:17. Trainer Nicolej Krickau konnte so anderen Akteuren aus seinem Kader mehr Spielzeit einräumen.

Die klaren Konturen hatte das Ostderby bereits in der Anfangsphase erhalten. Mit einem kraftvollen Start hatte der Deutsche Meister die möglicherweise kleine Hoffnung der Gäste auf eine lange Zeit ausgeglichene Partie zerstört – 10:3/12. Die Sachsen, seit Saisonbeginn immer auf einem Abstiegsplatz stehend, konnten über weite Strecken keine Bundesligatauglichkeit nachweisen. Sowohl auf der Torhüterposition, immerhin mit den Nationalkeepern Italiens und Tschechiens, wie auch auf dem Spielfeld lagen die Gäste unter dem Schnitt. Ausgerechnet das zehnte Jahr könnte für die DHfK das vorerst letzte in der Bundesliga sein. Es wäre tragisch für den Handballtraditions-Standort.

Ganz anders präsentierten sich vor 8.701 Zuschauer die Hausherren. Herausragend dabei Torhüter Lasse Ludwig. Der Neu-Nationalspieler konnte insgesamt 19 Paraden auf seinem Konto verbuchen, wobei ihm die Gäste mit zum Teil schwachen Würfen die Arbeit etwas erleichterten. Trotz des stetig wachsenden Vorsprungs – 20:10/30. ließen die Berliner in ihrer Konzentration nicht nach. Neben den bewährten Torewerfern Gidsel und Andersson zeigten sich besonders Mijajlo Marsenic und Matthes Langhoff mit jeweils vier Treffern sehr engagiert. Trainer Krickau war mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden. „Unsere Effektivität war heute super. Auch der Flow zwischen unseren Spielern aus dem Rückraum hat sich heute weiter in die richtige Richtung entwickelt. Wir konnten wir sehr gut unsere Breite im Kader ausnutzen“.

Diese wird in den nächsten Wochen auch nötig sein. Der April hält für die Füchse Saison wichtige Partien bereit. In der Bundesliga stehen die Spiele in Lemgo (12.4.) und gegen Gummersbach (23.4.) an. Am Wochenende 18./19.4. findet das Final Four im DHB-Pokal statt, wo die Füchse im Halbfinale innerhalb einer Woche erneut auf den TBV Lemgo treffen. Schließlich wartet am letzten Tag des Monats das Auswärtsspiel CL-Viertelfinale. Entweder in Veszprem oder in Paris.

Für die Füchse gegen Leipzig erfolgreich: Prantner (3), Andersson (6), Ariño (3), Grøndahl (5/1), Lichtlein (3), Gidsel (6), Freihöfer (4/2), Pichiri (1), Langhoff (4), Marsenić (4).

Herbert Schalling

Eisbären nach Overtime-Sieg im Halbfinale

DEL Saison 2025/26

Playoff-Viertelfinale Spiel 6

04.04.2026 16:30 Uhr Uber-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Straubing Tigers 6:5 OT (2:1/3:2/0:2/1:0)

Serienstand (best of seven) 4:2

Können die Eisbären das Halbfinale in Spiel sechs erreichen oder kommt es zum Showdown in Niederbayern? Der erste Matchball wurde von den Eisbären vergeben. Verteidiger Jonas Müller monierte berechtigterweise, dass am Gründonnerstag zu sehr verwaltet wurde und sich dabei Unachtsamkeiten im Spiel einschlichen. Ein erzielter Treffer reichte nicht. In der Verlängerung erzwangen die Tigers eine Verlängerung der Serie.

Vor dem Spiel wurde darüber nachgedacht, wer jetzt einen kleinen psychologischen Vorteil hat. Die Gäste aus Straubing standen erneut vor dem Aus, nach dem Motto Siegen oder Fliegen. Für die Eisbären kam es darauf an, den verpassten Matchball schnell aus dem Kopf zu bekommen.

Es ging gleich „gut“ los für die Eisbären. Es war noch nicht einmal eine Minute gespielt, da kassierte Lean Bergmann eine Strafe wegen eines Check gegen Kopf und Nacken des Gegners. Daraus resultierten drei Riesengelegenheiten für die Gäste. Sie wollten den Schwung aus dem fünften Spiel nutzen. Die Eisbären kamen in dieser Phase nur zu einem einzige Torschuss, den Henrik Haukeland abwehren konnte. Sie taten sich schwer in das Spiel zu kommen. Die Führung für Straubing schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Bei den Eisbären war der Spielaufbau viel zu ungenau. Das bis zum Powerbreak torlos stand, war glücklich aus Sicht der Eisbären. Sie ließen sich das Spiel der Straubinger aufzwängen. Da bewahrheitete sich zunächst die alte Playoff-Weisheit vom letzten Sieg.

Nach zehn Minuten hatten die Eisbären eine Powerplay-Chance. Justin Scott musste für Straubing auf die Strafbank. Das Überzahlspiel ergab eine Chance bevor Scott die Strafbank verlassen konnte. Ein weiteres Powerplay verstrich wieder ohne Ergebnis. Es drängte sich bei der Betrachtung des Spiels der Eisbären der Eindruck auf, die Eisbären sind nicht oder noch nicht bereit für dieses Spiel. So kam es wie es kommen musste, Straubing ging in der 17. Minute in Führung. Es war ein Alleingang von Marcel Brandt. Nur 53 Sekunden später stand es 1:1. Der Treffer von Yannick Veilleux glich einer Kopie des Treffers zuvor. Der Stürmer konnte jeweils den Torhüter mit einer geschickten Finte ausspielen. In der Schlussminute des Anfangsdrittels gingen die Eisbären in Führung. Der Puck rutschte unter Haukeland irgendwie ins Tor. Andreas Eder war der Absender. Bis zur 17. Spielminute hätte wohl niemand in der Halle oder vor den Fernseher diesen Zwischenstand erwartet.

Der Gästeblock war erneut gut gefüllt. In der 23. Spielminute knallte Adam Smith den Puck mit gemessenen 123 km/h in die Maschen und der Zwischenstand von 3:1 kam auf den Videowürfel. Die Gäste mussten jetzt alles oder nichts spielen. In der 26. Minute saß Andy Eder auf der Strafbank und kurz vor Ablauf der Strafe knallte Nicolas Halloran den Puck aus dem Hinterhalt in das Gehäuse. In der 29. Minute wäre den Gästen fast der Ausgleich geglückt. Er fiel dann doch in 30. Minute, da rutschte der Puck nach einem Schuss von Adrian Klein ins Tor der Eisbären. Da war er verspielt, der schöne Vorsprung und die Gäste wieder oben auf. Das Ergebnis entsprach jetzt dem Spielverlauf etwas mehr. Die Eisbären waren besser im Spiel und die Gäste steckten nicht auf. Die Nerven wurden arg strapaziert. Wem jetzt der nächste Treffer gelingt, der hatte einen kleinen psychologischen Vorteil. Von der Strafbank wegbleiben und das Momentum wieder auf seine Seite ziehen. Das Spiel war in der Schlussphase des Mittelabschnitts jetzt ausgeglichen. Bedingungsloser Kampf, erst verhindert Jonas Stettmer zweimal hintereinander eine Riesenmöglichkeit für die Tigers und dann die große Ronning-Show. Er findet keine Anspielstation und haut das Ding am kurzen Pfosten an Haukeland vorbei. Der Goalie hatte ein bisschen zu viel Platz zwischen Torpfosten und seiner rechten Schulter gelassen und genau da passte der Puck durch. Eine freche Aktion, die Tigers bemühten sich um eine Antwort, wenigstens wieder der Ausgleich bis zu letzten regulären Drittelpause. Er gelang nicht, wie in der Schlussphase des ersten Drittels, erzielten die Eisbären kurz vor die Sirene einen weiteren Treffer.

In der 44. Minute vergab der frisch von der Strafbank zurückgekommene Jean-Sebastian Dea einen Matchball für dieses Spiel. Sein Schuss ging an den Pfosten. Es waren zu diesem Zeitpunkt noch 14 Minuten zu spielen, eine Ewigkeit im Eishockey. Es musste der Puck kontrolliert werden und die Uhr am Laufen gehalten werden. Das Drama konnte seinen Lauf nehmen. Wieder eine Strafzeit gegen die Eisbären, Markus Niemeläinen wegen Beinstellens auf der Strafbank und dieses Mal nutzten die Tigers ihre Chance. Tim Fleischer vollendete zum 4:5 aus Sicht der Gäste. Der knappste aller Vorsprünge jetzt hatten die Eisbären ein Powerplay und machten leider nichts daraus. Es ging mehrfach ein oooh… und achh… durch die Halle. Erst Lattenschuss für Straubing, im Gegenzug die Eisbären und knapp daneben. Drama, Drama und noch konnte die Uhr nicht viel helfen. Es ging rauf und runter. Exakt drei Minuten vor dem Ende, nach einem Iceing der Eisbären nahm Straubings Trainer eine Auszeit und zog den Goalie. Das Tor, der Treffer gelang den Tigers in der 58. Minute. Torschütze war Nicolas Halloran. Das 5:5 war gefallen. Es gab Verlängerung, der Eishockeygott wollte sie weiter kämpfen sehen.

Die Eisbären konnten die Overtime für 47 Sekunden in Überzahl beginnen. Bevor weiter gekämpft bzw. gespielt wurden konnte, mussten die Eismeister zusätzlich auf die Fläche. Daraus Kapital zu schlagen misslang. Wer hat die zusätzliche Kraft? Es waren die Eisbären. Nach zahlreichen Chancen hüben und drüben war es Markus Vikingstad mit dem entscheidenden Treffer zum Halbfinaleinzug. Der Treffer wurde glänzend vorbereitet von Lean Bergmann. Er zog mit dem Puck hinter das Tor und sah, dass sein Sturmpartner völlig frei, zentral im Slot stand. Sie hatten einen Tropfen mehr in Tank die Eisbären aus Berlin. Das Berlin-Trauma oder auch das Stettmer-Trauma (in Straubing geboren) der Tigers hält weiter an.

Eine erwartet hart umkämpfte Serie gewinnen die Eisbären. Wie so oft haben die Kleinigkeiten entschieden die Serie entschieden. Ein sichtlich und verständlich enttäuschter Straubinger Trainer Craig Woodcroft gratulierte seinem Landsmann Serge Aubin zum Seriengewinn. Seiner Mannschaft bescheinigte er ein großes Kämpferherz. Dass zweimal ein Rückstand aufgeholt werden musste, hat wohl am Schluss zu viel Kraft gekostet. Jetzt muss die Saison analysiert werden und wir müssen schauen, was verbessert werden muss.

Serge Aubin betonte nochmals, dass die Tigers es den Eisbären sehr schwer gemacht haben. Heute war es ein wackliger Start, dann hat meine Mannschaft den Weg schließlich gefunden. Den kleinen, letztlich ausschlaggebenden Unterschied gab wohl das Penalty killing. Einen Ausblick auf den kommenden Gegner im Halbfinale gab er auf Nachfrage auch. Köln hat jetzt einen herausragenden Kader und die souveränen Siege aus dem letzten Jahr zählen nichts mehr. Die Frage, ob der herausragend in der Serie agierende Goalie Jonas Stettmer auch als Starter in die Halbfinalserie geht, ließ er offen. Jake Hildebrand hat seine Verletzung überwunden und saß in Berlin bereits wieder auf der Bank.

Hans-Peter Becker

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Fotos: Stephan Wenske

Spieldaten

Aufstellungen
Eisbären Berlin: Stettmer (Hildebrand; Neiße) – Müller, Wissmann (C); Mik, Lancaster; Niemeläinen, Smith; Kretzschmar – Tiffels (A), Pföderl, Ronning; Kirk, Eder, Dea; Veilleux (A), Vikingstad, Bergmann; Hördler, Wiederer, Nieleck – Trainer: Serge Aubin       

Straubing Tigers: Haukeland (Bugl; Wieber) – Brandt, Zimmermann; Beaudin, Green; Klein, Merkley; Seidl – Hede, Leonhardt, Madden; Connolly, Loibl, Halloran; Varejcka, Scott, Fleischer; McKenzie, Brunnhuber, Allison –Trainer: Craig Woodcroft

Tore
0:1 – 16:19 – Brandt (McKenzie) – EQ
1:1 – 17:12 – Veilleux (Bergmann, Wissmann) – EQ
2:1 – 19:35 – Eder (Vikingstad) – EQ
3:1 – 22:05 – Smith (Ronning, Tiffels) – EQ
3:2 – 27:38 – Halloran (Merkley, Brandt) – PP1
3:3 – 29:15 – Klein (Connolly, Loibl) – EQ
4:3 – 36:19 – Ronning (Pföderl, Wissmann) – EQ
5:3 – 39:52 – Müller (Ronning) – EQ  
5:4 – 48:47 – Fleischer (Hede, Merkley) – PP1
5:5 – 58:47 – Halloran (Merkley, Leonhardt) – 6-5
6:5 – 76:30 – Vikingstad (Bergmann, Smith) – EQ

Strafen
Eisbären Berlin: 6 (2, 2, 2, 0) Minuten – Straubing Tigers: 10 (6, 0, 4, 0) Minuten 

Schiedsrichter

Andre Schrader, Jackson Kozari (Maksim Cepik, Tobias Schwenk)

Zuschauer
14.022

Eisbären holen den dritten Sieg gegen Straubing

DEL Saison 2025/26

Playoff-Viertelfinale Spiel 4

31.03.2026 19:30 Uhr Uber-Arena Berlin

EHC Eisbären Berlin – Straubing Tigers 2:1 (2:0/0:0/0:1)

Serienstand (best of seven) 3:1

Wer hätte damit gerechnet, dass die Eisbären nach dem total verpatzten Start in die Viertelfinalserie in das zweite Heimspiel mit einer knappen Führung Serienführung gehen konnten. Erster Matchball oder eine „best of three“ Serie standen zur Debatte.

Straubings Trainer Craig Woodcroft hatte seine Reihen, bis auf seine Paradereihe um Center Tyler Madden gehörig durcheinander gewirbelt. Bei den Eisbären war Markus Niemläinen, ein frisch gebackener Vater, wieder dabei. Neu im Kader war Lennard Nieleck, dafür musste Jean-Sebastian Dea auf die Tribüne. Straubing kam mit gehöriger Wut auf das Eis in Berlin. Mit allen erlaubten Mitteln, bis an die Grenze des Möglichen, sollten die Eisbären beeindruckt werden. Sie hatten einige gute Möglichkeiten die Tigers, Jonas Stettmer sehr früh gefährlichen Puckkontakt. Da Straubing auch mit Härte beeindrucken wollte, hagelte es insgesamt 18 Strafminuten und es hieß das Urteil immer, Härte.

Trotzdem gehörte das Anfangsdrittel den Eisbären. In der 6. und in der 10. Minute schlugen sie zu. Erst war es Marcel Noebels der den Puck versenkte und im Powerplay vollendete Ty Ronning eine tolle Kombination. Der Puck lief über Kai Wissmann zu Liam Kirk und Ronning vollendete. Hielt genau im richtigen Moment den Schläger hin. Bange Schlussminuten, Markus Vikinstad kassierte vier Minuten Strafzeit und diese Unterzahl überstanden sie schadlos.

Es war anzunehmen, dass es in der Kabine der Gäste etwas lauter als sonst zugegangen sein muss. Auf der Uhr war noch genug Zeit. Hatten sie noch was im Köcher gegen die sehr abgezockt wirkenden Eisbären? Eine Chance in Überzahl ließen die Eisbären ungenutzt ab der 35. Spielminute. Nur drei Minuten später saß Ty Ronning auf der Sünderbank und die Gäste machten es auch nicht besser. Die Führung hielt bis zum Powerbreak. Die Gäste hatten im Mittelabschnitt verständlicherweise mehr Puckbesitz. Gefährliche Konter setzten die Eisbären dagegen. Eine Riesenchance verpasste Leonard Pföderl, der über einen Querpass von Ronning säbelte. Da sich der Mittelabschnitt seinem Ende näherte, wäre das dritte Tor für die Eisbären eine Vorentscheidung gewesen. Eine Riesenchance vergab Lean Bergmann in der 36. Minute, seinen Alleingang entschärfte Henrik Haukeland. Es entstand ein bisschen der Eindruck, dass beide sich gegenseitig gut beobachtet hatten. Genau 46 Sekunden vor dem Ende vergaben die Eisbären erneut eine Großchance. So verging dieses Drittel torlos.

Im Schlussabschnitt stellte sich die Frage, rächen sich die im Mittelabschnitt vergebenen Chancen. Ein Tor für die Gäste könnte das berühmte Momentum kippen lassen, nur verwalten ist gefährlich. In der 44. Minute ließen die Eisbären erneut die Vorentscheidung liegen. Es konnte jetzt konstatiert werden, dass die Eisbären mit dieser Großzügigkeit Straubing im Spiel hielt, es war gefährlich, sich nur auf das Verteidigen, Großtaten von Jonas Stettmer und die ablaufende Uhr zu verlassen.

Elf Minuten vor dem Ende wurde es dann richtig spannend. Ty Ronning musste wegen eines Stockchecks auf die Sünderbank. Die zwei Minuten wurden heiß, die Halle half lautstark mit. Als kurz nach Ablauf der Strafe der Puck endlich im Tor war, wurde nach langer Sichtung der Videobilder entschieden, dass Haukeland den Puck wohl knapp vorher gesichert hatte. Die Entscheidung auf dem Eis hatte bestand. Es blieb beim Zwischenstand von 2:0 für die Eisbären. Der Eisbärengoalie hielt und hielt, verdiente sich mehrfach Zwischenapplaus, während Haukeland umso weniger zu tun hatte. In 55. Minute gab es dreimal hintereinander Iceing für Straubing. Es wurde immer weniger Puckbesitz für die Eisbären. Bereits fünf Minuten und etwas mehr vor dem Ende der regulären Spielzeit zog Straubing den Goalie. Der Vorsprung hielt bis in die beiden letzten Spielminuten. Die Auszeit nahm Straubings Trainer 90 Sekunden vor dem Ende. Das Tor gelang den Gästen exakt bei 00:59’4. Tyler Madden war der Torschütze. Ein Schuss in das leere Tor misslang, ebenso wie der letzte Schuss auf das Tor von Stettmer. Der Matchpuck liegt jetzt bei den Eisbären.

Hans-Peter Becker

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Foto: Stephan Wenske

Spieldaten

Aufstellungen
Eisbären Berlin: Stettmer (Neiße; Wolter) – Müller, Wissmann (C); Niemeläinen, Mik; Kretzschmar, Smith; Nieleck – Tiffels (A), Kirk, Pföderl; Noebels, Eder, Ronning; Veilleux (A), Vikingstad, Bergmann; Hördler, Wiederer, Lancaster – Trainer: Serge Aubin       

Straubing Tigers: Haukeland (Bugl; Wieber) – Brandt, Zimmermann; Beaudin, Green; Klein, Merkley; Seidl – Hede, Madden, Halloran; Connolly, Loibl, Allison; Varejcka, Brunnhuber, Fleischer; McKenzie, Scott, Leonhardt – Trainer: Craig Woodcroft

Tore
1:0 – 05:09 – Noebels (Ronning, Niemeläinen) – EQ
2:0 – 09:50 – Ronning (Kirk, Wissmann) – PP1 2:1 – 60:00 – Madden (Halloran, Merkley) – EQ

Strafen
Eisbären Berlin: 18 (12, 4, 2) Minuten – Straubing Tigers: 12 (8, 4, 0) Minuten 

Schiedsrichter

Andris Ansons, Ghislain Hebert (Wayne Gerth, Vincent Brüggemann)

Zuschauer
14.200

Eine Kutte macht das Rennen – Preisträger stehen fest

Titelbild: Jurorin Almut Schult (links) während der Gala

Der Abschlussabend am Montag, 30.03.2026, dieser Woche brachte beim 11mm Fußball-Filmfestival Spannung ins Spiel. Während der „Shortkicks Gala“ wurden auch die Preise des Festivals verkündet und zum Teil übergeben. Wer sollte wohl der Preisträger-Film der Jury sein? Es wurde Rise & Fall of 1860 München. Eine Dokumentation über den einstigen Bundesliga-Meister der 60er-Jahre. Den Preis der jungen Jury erhielt ebenfalls eine Dokumentation. „Sapir“ heißt sie. Der Name einer Transschiedsrichterin, die ihren Weg gegen Widerstände gehen muss. Gewinner beim Publikumspreis ist: 360 Pieces. Hier geht es um die ungewöhnliche Suche nach einem letzten fehlenden Teil in einem fußballbezogenen Puzzle.

Unter den sechs konkurrierenden Filmen für den besten Kurzfilm des Jahres setzte sich durch die finale Entscheidung der Jurorin Almut Schult der in vieler Hinsicht ungewöhnlichste Beitrag knapp durch. „Kutte“, fand auch die frühere National-Torwartin Schult, war einfach ein von Anfang bis Ende sich gut und humorvoll steigerndes filmisches Erlebnis. Eine auf einem Offenbacher Flohmarkt erstandene alte Fußball-Kutte eines Anhängers von Darmstadt 98 wird einem Experten nach dem anderen vorgestellt, um sich dem früheren Besitzer durch Informationsaustausch vielleicht anzunähern. Vermutlich handelt es sich um eine sogenannte Raubkutte.

Zu Wort kommen Kutte tragende Metal-, Biker- und Fußballfans. Aufgelöst wurde das Geheimnis und die Frage nach dem Besitzer in dem 15-minütigem Streifen nicht. Dafür hat man nach dem Screening jede Menge Einblick in diverse Subkulturen bekommen. Wichtige Aufklärung für alle, die es noch nicht wissen: Die Kutte wird nie gewaschen. Die Regisseurin Sylvie Hohlbaum konnte kurz nach der Entscheidung ihr Glück am Telefon kaum fassen, dankte den Juroren und dem Berliner Publikum.

Gisa Flake (Mitte) umrahmt von Birger Schmidt und Frank Albers von der Festivalleitung

Seinen Höhepunkt und Abschluss verdankt das Festival einer weiteren Jurorin, der Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Gisa Flake. Der Abgesang der Anhängerin von Eintracht Braunschweig mit dem inbrünstig und solo vorgetragenen Song „You‘ ll never walk alone“ ließ das Publikum jubeln.

Text und Fotos: Frank Toebs